Vizepräsident

July 03, 2008

Mach Dein Ding!

Es war eine schöne Veranstaltung in Unity, New Hampshire. Beide Kandidaten feierten ihre Einheit (und sich selbst). Obamas Schlips passte zu Clintons Hosenanzug, beide fielen sich in die Arme und lobten sich bis über den grünen Klee. Alles perfekt.

Beobachter dieser Szene stellten sich natürlich sogleich die Frage, ob die neue Eintracht auch ein Ticket Obama-Clinton zeitigen könnte. Einiges würde für dieses Traum-Duo sprechen. Unter anderem könnte Hillary Clinton die obamafernen Wählerschichten zurück in die Partei bringen und dem Ticket eine deutliche Prise politische Erfahrung beigeben. Mir stellte sich allerdings eine andere, eher ketzerische Frage: Braucht Barack Obama Hillary überhaupt noch?

Erstens: Die demokratischen Hillary-Wähler sammeln sich schon jetzt hinter Obama. Kürzlich fand eine Umfrage von NBC und Wall Street Journal heraus, dass Frauen, die in den Vorwahlen für Clinton gestimmt hatten, Obama klar gegenüber McCain favorisieren (61% zu 19%). Auch Hispanics stehen zu großen Teilen hinter der Kandidatur von Barack Obama, der in dieser Zielgruppe 30 Prozentpunkte vor John McCain liegt . Schaut man ganz allgemein auf die potenziellen Abweichler bei den Demokraten, die ihre Stimme John McCain geben wollen, so liegt diese Zahl unter 10%. Ein normaler Wert. Man sieht, dass die Partei sich schneller hinter ihrem Kandidaten vereinigt hat als angenommen. Sicher ist der harte Vorwahlkampf bei vielen nicht vergessen. Die Erinnerung an diese Zeit wird aber verblassen, sobald die inhaltlichen Gegensätze zu McCain deutlicher werden.

Zweitens: Obama ist finanziell autark. Zwar traf er sich erst kürzlich mit den Top-Fundraisern der Clinton-Kampagne in Washington, DC. Dies war aber eher dem Anstand gegenüber Hillary gezollt und deutete weniger auf den Bedarf an einer kräftigen Geldspritze hin. Obama hat ein unglaubliches Netzwerk von über 1,5 Millionen Kleinspendern aufgebaut. Diese grasverwurzelte Geldmaschine wird ihn mit genügend finanziellen Ressourcen bis zum Wahltag am 4. November versorgen und ihm das Image des volksfinanzierten Kandidaten verleihen. Clintons Edelgeldgeber stören da nur.

Drittens: Hillary Clinton und ihr Mann Bill, mit dem sich Obama inzwischen ausgesprochen hat , sind gute Wahlkämpfer. In bestimmten Gegenden der USA werden sie einen wichtigen Beitrag dazu leisten, Arbeiter, Kleinstädter und Senioren von Obama zu überzeugen. Insgesamt möchte Barack aber ein neuer, anderer Kandidat sein, der gegen den Status Quo in Washington kämpft. Für diesen Status Quo stehen die Clintons jedoch wie kaum eine andere Politikerfamilie. Sie wecken Erinnerungen an eine Zeit der politischen Grabenkämpfe und Skandale, die Obama weit hinter sich lassen möchte.

Mein Rat an Obama: Mach Dein (eigenes) Ding!

May 22, 2008

McCain lädt zum Casting

John McCain wird sich am Wochenende zu einem Kurzurlaub auf seine Ranch in Arizona zurückziehen, um ein bisschen auszuspannen vom harten Politikalltag. Wer jedoch gedacht hätte, der Senator würde seine kostbare Zeit allein seiner Frau Cindy widmen, der hat sich getäuscht. Wie die  New York Times meldet, wird McCain das Wochenende nutzen, um drei potentielle Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten (VP) näher kennen zu lernen. In einem lockeren, entspannten Ambiente will er herausfinden, welcher Kandidat (auch persönlich) am besten zu ihm passt. Ein VP-Casting der besonderen Art. Doch wer steht auf der Gästeliste, wer hat es in den Recall geschafft?

Mitt Romney

Zunächst ist da ein alter Bekannter: Mitt Romney. Das ist in der Tat eine Überraschung. Wir haben noch die heftigen Auseinandersetzungen im Kopf, die sich Romney und McCain im Vorwahlkampf geliefert hatten. Aber die Zeiten haben sich geändert. Romney (61) ist zu einem der Lieblinge der Konservativen aufgestiegen und bietet sich damit als gute Ergänzung zu McCain an.

Bobby Jindal

Zweiter Mann auf der Liste ist Bobby Jindal , seit Januar diesen Jahres Gouverneur in Louisiana. Jindal hat eine interessante Lebensgeschichte. Als Sohn indischer Einwanderer wurde er 1971 in Baton Rouge geboren, trat mit 14 vom Hinduismus zum Katholizismus über und vertritt seitdem kulturell konservative Positionen. Im amerikanischen Jargon heißt das: Er ist „pro life“ und „pro gun“, also gegen Abtreibung und gegen die Einschränkung von Waffenbesitz. Seine Vorzüge: Er könnte der Grand Old Party (GOP) ein interessantes Gesicht geben, das nicht dem üblichen W(hite) A(nglo) S(axon) P(rotestant)-Milieu entspringt.

Charlie Christ

Dritter Kandidat ist Charlie Christ, Gouverneur von Florida. Er hatte McCain kurz vor der entscheidenden Vorwahl im Sunshine State medienwirksam unterstützt. Christs Umfragewerte in Florida sind gut, er ist beliebt und damit eine einflussreiche Person in einem der hart umkämpftesten Bundesstaaten dieser Wahlsaison. Christ (51) ist ein überzeugter Konservativer, der nicht nur die Todesstrafe verteidigt, sondern sich auch als „pro family“ und „pro gun“ bezeichnet. Christ ist unverheiratet, deshalb halten sich hartnäckig Gerüchte, er sei homosexuell.

Vizepräsidentschaftskandidaten müssen der Kampagne etwas hinzufügen, das sie noch nicht hat. Sie müssen ein ergänzendes Element sein, das neue Wählergruppen oder Facetten in den Wahlkampf einbringen kann. Schaut man auf die drei Kandidaten, dann haben sie drei Dinge gemein, die McCain fehlen: Sie sind vergleichsweise jung, haben exekutive Erfahrung und sind überzeugte Konservative. Favorit ist für uns Charlie Christ. Er hat ein großes Plus: Das nötige Maß an Nähe und Distanz zu George W. Bush. Als Bush kurz vor der Gouverneurs- und Kongresswahl 2006 eine Wahlkampfveranstaltung in Florida besuchte, fehlte Christ. Offizieller Grund: Terminschwierigkeiten.