Präsidentschaftswahlkampf 2008

July 30, 2008

Wo bleibt der Aufschwung?

Nach der internationalen Festwoche, die Barack Obama mit seinem Auftritt vor über 200.000 Menschen in Berlin gekrönt hatte, stellt sich die Frage nach den Effekten seiner Auslandsreise. Hat er im Zuge der hohen medialen Aufmerksamkeit und der in großen Teilen positiven Beurteilung seiner Welttournee Punkte an der Heimatfront machen können? Diese Frage stellt sich auch Adam Nagourney in der New York Times.

Wie Nagourney richtig anmerkt, ist es in der Tat auffällig, dass die Massen zwar zu Obama strömen, sich der überbordende Enthusiasmus für seine Person und seine Botschaft aber kaum in den Umfragen ablichten lässt. Natürlich führt Obama weiterhin das Rennen gegen John McCain an, aber sein Vorsprung bewegt sich in einem Rahmen von etwa zwei bis sieben Prozent. Bisher hat er die psychologisch so wichtige Marke von 50 Prozent Wählerzustimmung noch nicht erreicht.

Interessanterweise scheint McCain seine zugewiesene Rolle des medialen Hinterbänklers wenig zu schaden. Die Anti-Bush-Stimmung kann dem politischen Haudegen, der sich als unabhängiger Politiker mit Reformpotenzial verkauft, wenig anhaben. Müssen wir also um einen Sieg Obamas fürchten?


723082_4










Entwarnung kommt vom National Committee for an Effective Congress (NCEC). Die Organisation ist das historische Wählerwissen der Partei, weil sie so fundiert wie kaum eine andere Institution Wählertrends für demokratische Kandidaten analysiert. Und dies überall im Land, von der Bundes- bis hinunter auf die Kreisebene. NCEC streicht den Unterschied zwischen diesem Wahljahr und den letzten beiden heraus, die bekanntlich erfolgreich für die Republikaner endeten.

Seit Februar diesen Jahres liegt Barack Obama konstant in den Umfragen vor John McCain. Selbst in den bisher schwierigsten Zeiten seiner Kampagne, kurz nach den Vorwahlen in Pennsylvania, änderte sich an diesem Trend nichts. Diese Tatsache steht im krassen Gegensatz zu den Zahlen aus 2004, als John Kerry gegen George W. Bush antrat. In jenem Jahr wechselte die Stimmung sehr stark. Kerry konnte zu keinem Zeitpunkt einen so substantiellen Vorsprung erarbeiten wie Obama ihn heute besitzt.


723081_4

 









In Zeiten eines polarisierten Elektorats in den USA, das eine weitaus geringere Zahl von Wechselwählern kennt wie das deutsche, scheinen zwei bis sieben Prozent Vorsprung ein guter Wert zu sein. Rufen wir uns in Erinnerung. Falls Obama die Staaten gewinnt, die Kerry 2004 für sich entschieden hat, dann muss er „nur“ noch Ohio in sein Portfolio holen, um über die magische Zahl von 270 Wahlmännerstimmen zu kommen. Einfach wird das nicht. Obama hat aber die besseren Optionen. Gewinnt er  Ohio wider erwartend nicht (die Umfragen sehen ihn dort mit 1,5 Prozent vorn) kann er sich die 20 Stimmen auch in Virginia, New Mexico, Iowa, Colorado oder Nevada zusammenholen.

Es bleibt wie immer… spannend!

July 25, 2008

Mittendrin statt nur dabei: Obama in Berlin

Deutschland trifft den Superstar, so titelte der SPIEGEL sehr treffend zu Wochenbeginn. In der Tat hatte Obamas Auftritt gestern im Tiergarten etwas von Fanmeile und Popkonzert in einem. Tausende Menschen strömten mit diffusen Erwartungen auf die Straße des 17. Juni, um ihre neue, globale Projektionsfläche Barack Obama zu sehen und zu hören. „History was in the making“… und man wollte dabei sein.

200.000 Zuhörer kamen. Respekt, Barack. Für einen noch nicht nominierten Präsidentschaftskandidaten eines auswärtigen Landes sehr ordentlich. In diese Dimensionen ist bisher wohl nur Nelson Mandela vorgestoßen. John McCain, Angela Merkel und Nicolas Sarkozy hätten diese Zahl von Menschen nicht einmal gemeinsam auf die Beine bekommen.  Was zunächst auffiel bei dieser Show des großen Inszenierers war die bunte Mischung des Publikums. Von Altlinken über Studenten und Schüler, Touristen und Auslandsamerikaner bis hin zu Mitarbeitern der Agenturen und Ministerien schien alles vertreten zu sein. Jeder wollte Inspiration, einen rhetorischen Happen oder einen zitationsfähigen Einzeiler mit nach Hause nehmen.

Obama_in_berlin Obama enttäuschte nicht, auch wenn seine Redenschreiber schon Besseres produziert hatten. Es ging um die großen Linien der Außenpolitik, um Metaphern und Symbolik. Obama wollte diesen Auftritt nicht als Wahlkampfveranstaltung verstanden wissen. Dennoch benutzte er die gleiche Rhetorik, mit der er in den USA reüssiert hatte. Es ging um Einheit, um Hoffnung und Wandel.

In der Tat beschlich einen doch sehr schnell das Gefühl, dass hier keine substantielle Rede über die Kernthemen der transatlantischen Beziehungen gehalten wurde. Sicher hatte die Rede wichtige sachpolitische Elemente. Obama sprach stärker als andere seiner Vorgänger von transatlantischer Kooperation (die auch ein gemeinsames Engagement in Afghanistan beinhaltet). Er sagte, dass die USA nicht perfekt seien und Fehler in der Vergangenheit gemacht hätten. Den meisten Beifall bekam er, als er auf die strikte Einhaltung der Menschenrechte und eine kernwaffenfreie Welt abhob. Auf der Bühne vor der Siegessäule stand aber ein amerikanischer Wahlkämpfer, der Bilder und Sprachschnipsel für die Menschen in seinem Heimatland produzierte.

Da sind wir beim richtigen Thema… Hat Obama die Rede auf seinem Weg ins Weiße Haus geholfen? Ich glaube kaum. Natürlich dominierte der Politstar die Medienberichterstattung in den USA. Natürlich konnte er sich außenpolitische Sporen mit seinen Besuchen in Afghanistan, im Nahen Osten und in Europa verdienen. Mitten im Hype um den Auftritt Obamas vergessen wir aber schnell, dass diese Form der europhilen Hyperkandidatur auf viele amerikanische Wähler sehr befremdlich wirkt. Die Frage, die vielen Durchschnittswählern in den USA durch den Kopf gegangen sein wird, könnte ungefähr so lauten: „Europe loves Obama? That´s great, but… so what?“

Obama muss aufpassen, dass er die Schraube des Massenwahnsinns nicht zu weit dreht. Außenpolitische Lorbeeren verdient man sich eigentlich anders. Schon einmal im Laufe dieses Wahlkampfes hat ihm seine Über-Popularität geschadet. Viele bodenständige Kleinstädter in Ohio und Pennsylvania fanden es nichts anderes als abgehoben und suspekt, was dort an Star-Power auf sie zukam. Sie wählten mehrheitlich Hillary Clinton.

Ein Blick in die Umfragen holt uns und Obama vollständig zurück auf den Boden.Gallup prognostiziert derzeit ein äußerst knappes Rennen. Obama liegt mit hauchdünnen zwei Prozentpunkten vor McCain. Eine Analyse der Washington Post ergab, dass McCain in den Schlüsselstaaten des Wahlkampfes massiv an Zustimmung gewonnen hat. In Colorado liegt er wieder vorn, in Minnesota hat er in den letzten Wochen sieben Prozentpunkte dazu gewonnen (!).

Das Rennen ist alles andere als entschieden. Noch ist Obama nicht die Nr. 44, die sich einige Kommentatoren in diesem Land so sehnlich wünschen.

July 22, 2008

McCain kämpft gegen globale Obamania

Barack Obama ist in der Welt unterwegs, um sich internationale Lorbeeren zu verdienen. Seine Besuche in Afghanistan, im Irak, in Israel oder in Berlin produzieren exakt die Bilder, die die Obama-Kampagne haben will. Obama im Helikopter mit General Petraeus, Obama im Zwiegespräch mit dem irakischen Regierungschef Maliki, Obama beim lockeren 3-Punkte-Werfen mit Soldaten in Kuwait, Obama an der Siegessäule vor dem Brandenburger Tor.

Daheim versucht John McCain derweil verzweifelt, die Berichtererstattung über die globale Obamania zu durchbrechen. Zunächst veröffentliche er seinen ersten Negativ-Spot der Saison, der Obamas Kompetenzen als Außenpolitiker direkt angreift. Obama wird vorgeworfen, dass er als Unterausschussvorsitzender im Senat zum Thema Afghanistan keine einzige Anhörung veranstaltet hat (stimmt). Zudem wirft ihm McCain vor, gegen die Finanzierung der Truppen im Irak gestimmt zu haben (stimmt nur in einem einzigen Fall, ist deshalb tendenziös).

Dann machte McCain Halt beim politischen Urgestein George H.W. Bush, den er in seinem Feriendomizil in Maine besuchte. Die Bilder waren nicht gerade spektakulär. Zwei alte Herren fuhren auf einem Cart über einen Golfplatz und unterhielten sich über die großen Linien der Außenpolitik, ansonsten wahrscheinlich über Gott und die Welt. Etwas ungerechtfertig von McCains Wahlkampfberatern, dass sie sich wirklich noch darüber aufregen, wie die Presse Obama derzeit bevorzugt.

July 14, 2008

Washington Watch II

Hier in Washington ist es genauso deutlich zu spüren wie in anderen Teilen des Landes. In Zeiten steigender Benzinpreise, einer kriselnden Wirtschaft, einer hartnäckigen Hypothekenkrise und dem militärischen Engagement im Irak wünschen sich die Menschen nichts Sehnlicheres als politischen Wandel.

Selten war ein Präsident so unpopulär, das Klima ist unterirdisch für die Republikanische Partei. Hätten die Republikaner nicht John McCain aufgestellt, dann könnten sie den Wahlkampf bereits ad acta legen. So aber bleibt es spannend. Es gibt in der Tat genug Szenarien, in denen McCain die Oberhand im Electoral College behalten würde. Denn es sei noch mal gesagt. Präsident wird nicht, wer die meisten Wählerstimmen im Land bekommt, sondern derjenige, der die Mehrheit der Wahlmännerstimmen (270) für sich gewinnen kann. Wir müssen also auf die einzelnen Bundesstaaten schauen.

Zur Zeit liegt Obama in Schlüsselstaaten wie Ohio, Michigan oder Pennsylvania vorne. Diese Staaten haben aber eines gemeinsam: Eine große Zahl an weißen Arbeitern und weißer unterer Mittelschicht, die zwar ökonomisch in Richtung  Demokraten tendiert, bei kulturellen und außenpolitischen Themen jedoch eher auf Seiten der Republikaner steht. John McCain hat in dieser bedeutenden Wählergruppe Chancen, mit seiner persönlichen Lebensgeschichte und seiner politischen Erfahrung zu punkten, sich als amerikanischer Held, als unabhängiger Kämpfer für das Gute zu präsentieren. Obama ist und bleibt gefühlte 3.000 Kilometer über dem Boden für diese Menschen. Man spürt wie abgehoben und glatt er (noch) auf diese Wählergruppen wirkt. Er hat all das, was sie nicht haben. Einen Harvard-Abschluss, Eloquenz, Geld, ein schillerndes Starleben. Und er ist Afro-Amerikaner. Ein Punkt, den man leider nicht unterschätzen darf. Mike Podhorzer, leitender Stratege des Gewerkschaftsbundes AFL-CIO bringt all dies auf den Punkt, wenn er sagt: „People want change. But they don´t know if they want THAT much change.“

Bill Clinton war der letzte Demokrat, der bei weißen Wählern gut abgeschnitten hat. Dukakis, Gore, Kerry, sie alle verloren diese wahlentscheidende Gruppe deutlich. Clinton schaffte es ins Weiße Haus, der Rest bekanntlich nicht. Es bleibt spannend! Hier die neueste Battleground-State-Analyse von Brad Todd, einem der besten Wahlkampfexperten, den Amerika zu bieten hat:

July 09, 2008

Washington Watch I

In dieser Woche gibt es ungefilterte Einblicke aus den Vereinigten Staaten, direkt aus Washington DC. Frisch angekommen in der Hauptstadt, auf dem Weg zur National Mall, begegnete ich gleich dem ersten Obama-Volunteer. Eine Mutter lief mit ihren kleinen Kids von Haus zu Haus, um Plakate und Sticker zu verteilen. Freundlicherweise hatte sie mich schnell in ihr Herz geschlossen und drückte mir mit einem freundlichen „Take it with you to Germany, honey!“ ein blaues Obama-Poster in die Hand. In der Tat ist Obama allgegenwärtig in dieser Stadt, auf Plakaten, auf Autos und Motorrollern. Von John McCain war bisher wenig zu sehen, das mag aber noch kommen.

Am Wochenende standen Polit-Talkshows auf dem Programm. Das übliche Geplänkel in der Zeit zwischen dem Ende der Vorwahlen und den Nominierungsparteitagen. Einziges Highlight war der Auftritt von Bob Barr, dem Kandidaten der Libertarian Party. Sein Credo: „Kill the Nanny State!“ Barr will den Staat weitgehend abschaffen. Egal ob Sozialhilfe, Steuern oder Drogenkontrolle, die Libertären hassen die angebliche Allmacht Washingtons.

In den Medien bestimmen aber die Themen Energie und Wirtschaft die Agenda. Kaum eine Fernsehsendung ohne Tipps zum Energiesparen. Die Amerikaner wachen auf. Der Markt regelt die Preise, die Preise regeln das Verhalten. So läuft es nun einmal hier. Die Folge: Toyota Prius und doppelglasige Fenster stehen hoch im Kurs. Das Thema Wirtschaftsflaute treibt die Menschen um. Selten habe ich Amerikaner mit so viel Angst vor der Zukunft getroffen wie in diesen Tagen. Eine kleine Revolution in einem zweckoptimistischen Land.

Auch die Kandidaten haben die Zeichen der Zeit erkannt. Gleich zwei neue Spots behandeln die oben genannten Themen. John McCain bekommt Unterstützung vom Republican National Committee, das McCains Energiepolitik als innovativ preist und Obama als durchschnittlichen Normalpolitiker ohne neue Lösungsansätze konstruiert. Man merkt: Es geht darum, wer sich den Mantel des effektivsten und glaubwürdigsten Reformers in einem Jahr des politischen Wandels überstreifen kann.

Barack Obama schickt dagegen einen sog. „bio ad“ über den Äther. In seinem neuesten Spot webt er seine Lebensgeschichte (v.a. seine Zeit als Sozialarbeiter in Chicago) geschickt in die Sorgen und Nöte der Menschen in Zeiten der aktuellen Wirtschaftskrise ein. Wieder einmal ein grandioser Spot vom Team Obama, der seine Positionen geschickt austrahiert zwischen ökonomischem Populismus und förderndem Sozialstaat.

June 25, 2008

YouTube richtig nutzen - Obama vs. Beck

Der Hype um Barack Obamas Internetauftritt, um seine viralen Fähigkeiten und Facebook-Gemeinden ist groß. Er ist aber vor allem eines: Berechtigt! Kürzlich fand ich eine Botschaft von Barack in meinem Postfach. Er wollte ein Video mit mir teilen, das ihn bei einer Rede vor seinem Wahlkampfteam zeigt. In dieser Ansprache geht es emotional zu. Obama bedankt sich für die Erfolge, schwört sie ein auf neue, große Taten.

Wichtiger ist aber die Machart des Videos. Es zeigt die Kraft der wohl dosierten Authentizität. In Zeiten des Web 2.0 ist es fatal, das Internet als Fortsetzung des Fernsehens mit anderen Mitteln zu betrachten. Inhaltsschwere Politikeransprachen direkt in die Kamera, womöglich in steriler Umgebung, hinter dem Schreibtisch oder vor einer austauschbaren weißen Wand strafen die meisten Internetnutzer mit Nicht-Beachtung. Ein solches Format passt nicht zum Medium Internet, das nach Offenheit und Teilhabe giert; das sich absetzen möchte von der Einbahnstraßenkommunikation des Fernsehzeitalters.

Zurück zu Obama: Mitarbeiter drehten seinen Auftritt aus verschiedenen Winkeln des Raumes. Bewusst ruckeln und wackeln die Bilder ein bisschen. Obama wird kaum von vorne gezeigt, er ist zumeist im Profil zu sehen, immer als Teil des Ganzen.

Zum Vergleich ein Auftritt von Kurt Beck auf dem neuen YouTube-Kanal der Sozialdemokraten: SPD.Vision. Okay, Beck ist kein Barack, das sei an dieser Stelle angemerkt. Dennoch können die Unterschiede in der Herangehensweise an Web-Videos kaum größer sein. Es gibt noch viel zu tun für deutsche Parteien. Mein Tipp: Packt es an! Jetzt!

June 19, 2008

Vernetzter Wahlkampf

Facebook, YouTube, Blogs… das sind die innovativen Begriffe des US-Wahlkampfes anno 2008. Das Internet ist in aller Munde, kein Wahlkämpfer kommt mehr an diesem Meta-Medium vorbei. Kürzlich hat das Pew Research Center deshalb eine neue Studie zur Internetnutzung im Präsidentschaftswahlkampf veröffentlicht. Die wichtigste Botschaft: Das Netz hat sich in den USA fest etabliert als bedeutender Raum für politische Informationen und Aktionen.

Erstaunliche 46 Prozent der Amerikaner nutzen das Internet, um sich über die Kampagnen zu informieren, um Gedanken über die Kandidaten auszutauschen, um zu mobilisieren. Diese Zahl ist deutlich höher als zu einem vergleichbaren Zeitpunkt in den Wahljahren 2004  (31%) oder 2000 (16%).

Internetnutzung im Wahlkampf steigt aber nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ. Diejenigen, die im Netz auf der Suche nach politischen Informationen sind, nutzen es intensiver als zuvor. 35% der Nutzer haben sich bereits ein Web-Video der Kandidaten angeschaut, 10% sind auf sozialen Netzwerkseiten politisch aktiv, 8% haben bereits online Geld an einen der Kandidaten gespendet.

Die Pew-Studie belegt, dass es vor allem jüngere Menschen sind, die das Internet für politische Zwecke nutzen. Da Jungwähler tendenziell stärker zu demokratischen Kandidaten tendieren, überrascht es nicht, dass Anhänger der Demokraten spürbar aktiver im Netz sind als ihre republikanischen Pendants. Die Differenzen sind nicht groß, aber erkennbar. Demokraten nutzen öfter soziale Netzwerkseiten (36%-21%), schauen häufiger Web-Vidoes (51%-42%) und informieren sich intensiver über die Kandidaten (36%-21%) als Republikaner.

Wie zu erwarten war, sind die Anhänger Obamas so netzaktiv wie keine andere Gruppe. 74 Prozent der Obamaniacs nutzen das Internet, um sich politisch zu informieren, 17 Prozent haben bereits online gespendet, 14 Prozent haben eine eigene Gruppe auf sozialen Netzwerkseiten wie Facebook oder MySpace eingerichtet.

Obwohl die Zahl derer steigt, die sich im WorldWideWeb bewegen, meldet eine große Zahl von Nutzern Zweifel an den Informationen im Netz an. 60 Prozent der Befragten sagten, dass das Internet voll von falschen Informationen und Propaganda sei. 35 Prozent meinten, das Internet sei ein Ort für extreme Ansichten und politische Schreihälse.


June 09, 2008

Hillarys Fehler - Ein Kommentar

Von Maik Bohne

Hillary Clinton machte am Samstag auf ihrer Abschiedsgala in Washington alles richtig. Sie unterstützte Barack Obama vorbehaltlos, sie trat nicht nach, sie forderte ihre Anhänger auf, für den Sieg im November zu kämpfen. Mit dieser Geste dämpfte sie die Kritik von Teilen der Parteielite, die sich ein früheres Ausscheiden der Ex-First Lady gewünscht hatten. So endete ein geschichtsträchtiger, geradezu epischer Vorwahlkampf der Demokraten.

An dieser Stelle wollen wir einen analytischen Blick zurück wagen auf die Kandidatur und die Kampagne Hillary Clintons. Wie konnte es passieren, dass eine so etablierte Kandidatin, die noch im Dezember 2007 nahezu unangefochten vor ihren Herausforderern lag, gegen einen schwarzen Politnovizen mit einem unaussprechlichen Namen verlieren konnte? Es gibt drei wesentliche Gründe:

1) Botschaft 

Clintons Chefstratege Mark Penn positionierte Hillary Clinton zu Beginn der Kampagne als „Ready to Lead“. Hillary betonte ihre politische Stärke, Erfahrenheit und Sachkenntnis, auch um Zweifel an einer weiblichen (führungsschwachen) Kandidatin zu zerstreuen. Zudem deutete das „Ready to Lead“ einen Gegensatz zu George W. Bushs Präsidentschaft an. Das Land gierte nach verlässlicher Führung, nach guten (sachlichen) Lösungen, nach Kompetenz statt Unfähigkeit, so die Einschätzung des Clinton-Teams.

Mit dieser Ausrichtung wählte die Kampagne allerdings das falsche Spielfeld. Den Wählern ging es vorwiegend um Wandel, weniger um Sachlichkeit und schnöde Kompetenz. So konnte sich Barack Obama den Mantel des wahren Wandelpredigers überstreifen. Clinton bot ihm die Möglichkeit, das politische Wort des Jahres („Change“) zu besetzen, u.a. durch ihre Weigerung, sich für die Autorisierung des Irakkrieges zu entschuldigen. Später versuchte Hillary krampfhaft, Obamas Botschaft zu kooptieren mit Slogans wie „Ready for Change“ oder „Yes, She Will“. Das wirkte unauthentisch, künstlich, reaktiv.

Ein weiterer Fehler Clintons war es, die Kandidatur als Kampagne der Unvermeidlichkeit darzustellen. Zu Beginn rief sie voller Selbstbewusstsein: „I Am In to Win!“. Das war nachvollziehbar, weil sie lange Zeit unangefochten in den Meinungsumfragen vor ihren Herausforderern Barack Obama und John Edwards führte. Clinton wollte mit dieser Art von Kampagne ihren Gegnern die Luft zum Atmen nehmen, sie wollte der Parteielite ihre Dominanz zeigen, ihren natürlichen Anspruch auf die Nominierung deutlich machen. Eine solche Strategie funktionierte nur so lange, wie Hillary Clinton unverletzlich erschien; sie musste aber in sich zusammenfallen, als sie erste Schwächen während der TV-Debatten im Herbst und schließlich in den ländlichen Weiten Iowas zeigte. Clintons Strategie der Unvermeidlichkeit ermöglichte es Barack Obama erst, sich als populistisch-positiver Außenseiter zu etablieren, der gegen den Status Quo in Washington antrat, gegen die alte Form, Politik zu machen, gegen die Powerplays und Ränkespiele der Eliten, die die Menschen in den USA so satt haben wie in anderen westlichen Staaten auch.

2) Kampagne

Hillary Clintons Team führte eine gute, solide, professionelle Kampagne. Sie bezog neue Kommunikationsformen in ihren Wahlkampf ein, allen voran das Internet. Wir erinnern uns an das Web-Video mit ihrem Mann Bill, der nach Machart der Sopranos gedreht worden war. Das Problem: Clinton nutzte das Internet nur punktuell, nur sporadisch. Während Barack Obama virtuos mit dem Netz arbeitete, es zum natürlichen Bestandteil seiner Kampagnenstrategie und –botschaft machte, sahen die Verantwortlichen der Clinton-Kampagne es als nettes Zubrot zum traditionellen Medienwahlkampf an, nicht aber als ein Meta-Medium, das ganz neue gesellschaftliche Tiefenwirkung erzielen kann. Von dieser Tiefenwirkung profitierte Obama. Seine Kampagne zeigte sich offen gegenüber innovativen Einflüssen aus der Netzwelt, sie nutzte das Potenzial der interaktiven Kreativgemeinde, ohne je die Kontrolle über die eigene Botschaft zu verlieren.

Auch das Fundraising der Clintons lief sehr traditionell ab. Mit Terry McAuliffe hatte sich Hillary den „Mr. Money“ der Demokraten ins Boot geholt. McAuliffe organisierte das Geldsammeln auf traditionelle, elitäre Weise, so wie er es in den 1990er Jahren unter Bill Clinton gelernt hatte. Das Motto: Kleine Geldspenden unter 200 Dollar sind schön, aber das große Geld treiben wir bei den affluenten Spendern, bei den „Fat Cats“ ein. Die Strategie: große Fundraising-Dinner, ein Quotensystem für sog. „Hillraiser“, private Treffen mit Millionären in Hollywood und New York. Auch Barack Obama bat um Spenden und Bündeldienste der besser Verdienenden, sein Hauptaugenmerk lag jedoch auf dem Ausbau der Klein(st)spenderbasis. Das Resultat kann sich sehen lassen: Obama schuf ein Netzwerk von über 1,5 Mio. Spendern, die im Schnitt 100 Dollar an die Kampagne gaben. Diese Spenden kamen zu 90% über das Internet (und damit kostengünstig und schnell) herein.

3) Strategie

Im Interview mit George Stephanopolous (ABC News) sagte Clinton kurz vor den Caucuses in Iowa: „I´m in it for the long run. It´s not a very long run, it´ll be over by February 5th”. Der große Fehler der Clinton-Maschine war, nicht über den Super Tuesday hinaus geplant zu haben. Die gesamte Strategie war darauf ausgerichtet, die Nominierung an diesem Tag zu gewinnen, so wie es die demokratischen Kandidaten in den Jahren zuvor auch gemacht hatten. Nach der Patt-Situation am 5. Februar stand Clintons Kampagne nahezu ohne Geld und Organisation in denfolgenden Vorwahlstaaten dar. Obama hatte hingegen klugerweise auf eine breite Organisation in allen 50 Bundesstaaten gesetzt, deshalb auch seine elf Siege in Folge in der Zeit vom Super Tuesday bis zu den Vorwahlen in Wisconsin und Washington Mitte März.

In Vergessenheit geraten ist auch das Memo von Vize-Kampagnenchef Mike Henry, das im Mai 2007 an die Presse gelangte. In diesem Strategiepapier spekulierte Henry offen darüber, ob es sinnvoll sein würde für Hillary Clinton, in Iowa Wahlkampf zu machen. Die Clintons hatten wenig politische Unterstützer in diesem Staat, sie kannten sich mit der Organisation des Iowa Caucus nicht gut genug aus. Im Nachhinein wäre es sicher besser gewesen, Iowa zu skippen, um sich voll und ganz auf einen Sieg in New Hampshire zu konzentrieren. So hätte sich Clinton 15 Mio. Dollar und einen unnötigen Gesichtsverlust erspart, der den Anfang vom Ende ihrer Kampagne bedeutete.

June 04, 2008

Wie geht es weiter, Hillary?

Erstaunlich, diese Hillary Clinton. Selbst am Tag ihrer politischen Niederlage schafft sie es noch, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Klar: Barack Obamas Sieg ist historisch, sein Erfolg gegen die Wahlkampfmaschine der Clintons ein Phänomen. Aber das musste am Dienstag abend zurückstehen hinter dem PR-Getöse, welches das Team Hillary auslöste. Clinton gibt auf? Nein, nur eine Ente. Clinton als Vizepräsidentin? Nur angedeutet. Clinton macht weiter? Ja, aber nur ein bisschen.

Die Clintons als Epizentrum der Berichterstattung. Daran haben sie sich gewöhnt, das ist ihr Lebenselixir. Deshalb fällt der Schritt in die Normalität des Alltags so schwer. Aber wie wird dieser Alltag für Hillary Clinton in Zukunft aussehen? Eine Spekulation:

Vizepräsidentschaftskandidatin? Nein, danke...sagt Barack

Sicher wäre VP eine ehrenwerte Position für Clinton. Sie könnte aktiv an der politischen Ausgestaltung des Landes teilhaben. Auch im Wahlkampf käme eine Hillary Clinton gelegen, um die Gräben zuzuschütten, die sich in der Demokratischen Partei zwischen jung und alt, schlau und weniger schlau, zwischen Proletariern und Salonlinken aufgetan haben. Vieles spricht aber dagegen, dass Obama diesen Schritt wagen wird. Möchte er eine running mate, die ständig die Hierarchien innerhalb der Kampagne in Frage stellen würde?  Die nach Licht verlangt, wo doch eigentlich intelligentes Auftreten im Halbschatten geboten ist? Zudem steht Hillary genau für den Status Quo, den Obama so heftig anprangert. Er hat das Image des Frischen und Neuen kultiviert, dafür steht die Clinton-Dynastie nicht gerade. Am Ende wird es schon eher eine Frau wie Kathleen Sebellius werden. Die Gouverneurin im konservativen Kansas weiß, wie man Wähler im Heartland anspricht. Sie ist jung und hat (im Gegensatz zu Obama und Clinton) Exekutiverfahrung.

Führende Rolle im Senat? Warum nicht...

Mit ihrem langen, kämpferisch geführten Wahlkampf hat Hillary bei großen Teilen der demokratischen Stammklientel punkten können. Das erhöht ihr politisches Gewicht in Washington. Eine führende Rolle im Senat könnte ihr nach den Kongresswahlen im November durchaus zustehen. So hätte sie (durch die Hintertür) die Chance, die Geschicke des Landes (auch als Korrektiv zu McCain oder Obama) mitzubestimmen. Es könnte aber sein, dass ihr die Arbeit im Kongress zu schnöde geworden ist und sie ihre Augen deshalb auf ihren Heimatstaat New York richtet.

Gouverneurin in New York? Ist machbar...

Es ist noch nicht lange her, als eine Callgirlaffäre den demokratischen Gouverneur Eliot Spitzer das Amt kostete. Die Demokraten in New York haben also durchaus Bedarf für eine neue Führungsfigur mit Charme, Sachverstand und Schlagzeilenpotential. Im Empire State ist die Senatorin äußerst beliebt. Ihre Vorwahl gewann sie dort gegen Obama mit fast 20% Vorsprung, ihre Senatswahl 2006 sogar mit 36%.

Präsidentschaftskandidatin 2012? Hmm....

Obwohl das Rennen gegen McCain ein enges Ding wird, deuten alle strukturellen Faktoren auf einen Sieg von Barack Obama im Herbst hin. Schafft es der alte Haudegen McCain allerdings, sich von Präsident Bush, dem politischen Klima im Land und der eigenen Partei abzukoppeln, sich als Kandidat für den "richtigen Wandel" zu stilisieren, dann könnte das Weiße Haus doch noch für die Demokraten verloren gehen. Damit wäre die Bahn für "Hillary 2012" frei. Und dann wird sicher nicht nochmal ein so gut aussehender, eloquenter Wandelprediger daherkommen, der ihr die Kandidatur der Unvermeidlichkeit vermasseln könnte.

May 30, 2008

McCains Relaunch

Nahezu unbeachtet von der Öffentlichkeit hat John McCain einen Neustart seiner Website vorgenommen. Das überarbeitete Portal www.johnmccain.com ist definitiv besser und benutzerfreundlicher als die alte Version. Kern des Ganzen ist (ähnlich wie bei Barack Obama) das „Volunteer Action Center“. Auf dem Screenshot (bitte anklicken) ist zu sehen, worum es McCain geht: Drei der sechs Funktionen zielen konkret darauf ab, Freunde, Bekannte und Kollegen von der Kandidatur des „Mac“ zu überzeugen. Diesen Ansatz nennt man in der  Fachsprache „Peer-to-Peer-Kommunkation“. Der Grundgedanke: Freiwillige sind die besten Kampagnenbotschafter, weil sie glaub- und vertrauenswürdiger als jedes andere Medium sind. Eine Konversation über den Kandidaten mit einem Nachbarn oder Freund ist bei weitem effektiver als das Anschauen eines 30-sekündigen Werbespots, der eine hohe Chance hat, im medialen Durcheinander des 24-Stunden-Nachrichtenzyklus unterzugehen.

Mccain_website