Hillary Clinton

July 18, 2008

Große Kunst im Wahlkampf

JibJab is back! Die Humorspezialisten, bekannt für satirisch-bissige Web-Videos, schalten sich wieder in den Präsidentschaftswahlkampf ein. Mit ihrem witzigen Film: „Time for Some Campaignin`“ haben sie einmal mehr einen Internet-Hit gelandet. Bekannt geworden ist die Gruppe mit ihrem Stück "This Land", das der erste große virale Internet-Erfolg des Wahljahres 2004 war.

In ihrem neuen Video lassen die Macher nichts aus. George W. Bush, Dick Cheney, Hillary Clinton, John McCain und Barack Obama, sie alle bekommen ihr Fett weg. Die schönste Szene: Obama reitet auf einem Einhorn durch den Zauberwald des Wandels. Großartig! Sehen Sie selbst:

July 03, 2008

Mach Dein Ding!

Es war eine schöne Veranstaltung in Unity, New Hampshire. Beide Kandidaten feierten ihre Einheit (und sich selbst). Obamas Schlips passte zu Clintons Hosenanzug, beide fielen sich in die Arme und lobten sich bis über den grünen Klee. Alles perfekt.

Beobachter dieser Szene stellten sich natürlich sogleich die Frage, ob die neue Eintracht auch ein Ticket Obama-Clinton zeitigen könnte. Einiges würde für dieses Traum-Duo sprechen. Unter anderem könnte Hillary Clinton die obamafernen Wählerschichten zurück in die Partei bringen und dem Ticket eine deutliche Prise politische Erfahrung beigeben. Mir stellte sich allerdings eine andere, eher ketzerische Frage: Braucht Barack Obama Hillary überhaupt noch?

Erstens: Die demokratischen Hillary-Wähler sammeln sich schon jetzt hinter Obama. Kürzlich fand eine Umfrage von NBC und Wall Street Journal heraus, dass Frauen, die in den Vorwahlen für Clinton gestimmt hatten, Obama klar gegenüber McCain favorisieren (61% zu 19%). Auch Hispanics stehen zu großen Teilen hinter der Kandidatur von Barack Obama, der in dieser Zielgruppe 30 Prozentpunkte vor John McCain liegt . Schaut man ganz allgemein auf die potenziellen Abweichler bei den Demokraten, die ihre Stimme John McCain geben wollen, so liegt diese Zahl unter 10%. Ein normaler Wert. Man sieht, dass die Partei sich schneller hinter ihrem Kandidaten vereinigt hat als angenommen. Sicher ist der harte Vorwahlkampf bei vielen nicht vergessen. Die Erinnerung an diese Zeit wird aber verblassen, sobald die inhaltlichen Gegensätze zu McCain deutlicher werden.

Zweitens: Obama ist finanziell autark. Zwar traf er sich erst kürzlich mit den Top-Fundraisern der Clinton-Kampagne in Washington, DC. Dies war aber eher dem Anstand gegenüber Hillary gezollt und deutete weniger auf den Bedarf an einer kräftigen Geldspritze hin. Obama hat ein unglaubliches Netzwerk von über 1,5 Millionen Kleinspendern aufgebaut. Diese grasverwurzelte Geldmaschine wird ihn mit genügend finanziellen Ressourcen bis zum Wahltag am 4. November versorgen und ihm das Image des volksfinanzierten Kandidaten verleihen. Clintons Edelgeldgeber stören da nur.

Drittens: Hillary Clinton und ihr Mann Bill, mit dem sich Obama inzwischen ausgesprochen hat , sind gute Wahlkämpfer. In bestimmten Gegenden der USA werden sie einen wichtigen Beitrag dazu leisten, Arbeiter, Kleinstädter und Senioren von Obama zu überzeugen. Insgesamt möchte Barack aber ein neuer, anderer Kandidat sein, der gegen den Status Quo in Washington kämpft. Für diesen Status Quo stehen die Clintons jedoch wie kaum eine andere Politikerfamilie. Sie wecken Erinnerungen an eine Zeit der politischen Grabenkämpfe und Skandale, die Obama weit hinter sich lassen möchte.

Mein Rat an Obama: Mach Dein (eigenes) Ding!

June 09, 2008

Hillarys Fehler - Ein Kommentar

Von Maik Bohne

Hillary Clinton machte am Samstag auf ihrer Abschiedsgala in Washington alles richtig. Sie unterstützte Barack Obama vorbehaltlos, sie trat nicht nach, sie forderte ihre Anhänger auf, für den Sieg im November zu kämpfen. Mit dieser Geste dämpfte sie die Kritik von Teilen der Parteielite, die sich ein früheres Ausscheiden der Ex-First Lady gewünscht hatten. So endete ein geschichtsträchtiger, geradezu epischer Vorwahlkampf der Demokraten.

An dieser Stelle wollen wir einen analytischen Blick zurück wagen auf die Kandidatur und die Kampagne Hillary Clintons. Wie konnte es passieren, dass eine so etablierte Kandidatin, die noch im Dezember 2007 nahezu unangefochten vor ihren Herausforderern lag, gegen einen schwarzen Politnovizen mit einem unaussprechlichen Namen verlieren konnte? Es gibt drei wesentliche Gründe:

1) Botschaft 

Clintons Chefstratege Mark Penn positionierte Hillary Clinton zu Beginn der Kampagne als „Ready to Lead“. Hillary betonte ihre politische Stärke, Erfahrenheit und Sachkenntnis, auch um Zweifel an einer weiblichen (führungsschwachen) Kandidatin zu zerstreuen. Zudem deutete das „Ready to Lead“ einen Gegensatz zu George W. Bushs Präsidentschaft an. Das Land gierte nach verlässlicher Führung, nach guten (sachlichen) Lösungen, nach Kompetenz statt Unfähigkeit, so die Einschätzung des Clinton-Teams.

Mit dieser Ausrichtung wählte die Kampagne allerdings das falsche Spielfeld. Den Wählern ging es vorwiegend um Wandel, weniger um Sachlichkeit und schnöde Kompetenz. So konnte sich Barack Obama den Mantel des wahren Wandelpredigers überstreifen. Clinton bot ihm die Möglichkeit, das politische Wort des Jahres („Change“) zu besetzen, u.a. durch ihre Weigerung, sich für die Autorisierung des Irakkrieges zu entschuldigen. Später versuchte Hillary krampfhaft, Obamas Botschaft zu kooptieren mit Slogans wie „Ready for Change“ oder „Yes, She Will“. Das wirkte unauthentisch, künstlich, reaktiv.

Ein weiterer Fehler Clintons war es, die Kandidatur als Kampagne der Unvermeidlichkeit darzustellen. Zu Beginn rief sie voller Selbstbewusstsein: „I Am In to Win!“. Das war nachvollziehbar, weil sie lange Zeit unangefochten in den Meinungsumfragen vor ihren Herausforderern Barack Obama und John Edwards führte. Clinton wollte mit dieser Art von Kampagne ihren Gegnern die Luft zum Atmen nehmen, sie wollte der Parteielite ihre Dominanz zeigen, ihren natürlichen Anspruch auf die Nominierung deutlich machen. Eine solche Strategie funktionierte nur so lange, wie Hillary Clinton unverletzlich erschien; sie musste aber in sich zusammenfallen, als sie erste Schwächen während der TV-Debatten im Herbst und schließlich in den ländlichen Weiten Iowas zeigte. Clintons Strategie der Unvermeidlichkeit ermöglichte es Barack Obama erst, sich als populistisch-positiver Außenseiter zu etablieren, der gegen den Status Quo in Washington antrat, gegen die alte Form, Politik zu machen, gegen die Powerplays und Ränkespiele der Eliten, die die Menschen in den USA so satt haben wie in anderen westlichen Staaten auch.

2) Kampagne

Hillary Clintons Team führte eine gute, solide, professionelle Kampagne. Sie bezog neue Kommunikationsformen in ihren Wahlkampf ein, allen voran das Internet. Wir erinnern uns an das Web-Video mit ihrem Mann Bill, der nach Machart der Sopranos gedreht worden war. Das Problem: Clinton nutzte das Internet nur punktuell, nur sporadisch. Während Barack Obama virtuos mit dem Netz arbeitete, es zum natürlichen Bestandteil seiner Kampagnenstrategie und –botschaft machte, sahen die Verantwortlichen der Clinton-Kampagne es als nettes Zubrot zum traditionellen Medienwahlkampf an, nicht aber als ein Meta-Medium, das ganz neue gesellschaftliche Tiefenwirkung erzielen kann. Von dieser Tiefenwirkung profitierte Obama. Seine Kampagne zeigte sich offen gegenüber innovativen Einflüssen aus der Netzwelt, sie nutzte das Potenzial der interaktiven Kreativgemeinde, ohne je die Kontrolle über die eigene Botschaft zu verlieren.

Auch das Fundraising der Clintons lief sehr traditionell ab. Mit Terry McAuliffe hatte sich Hillary den „Mr. Money“ der Demokraten ins Boot geholt. McAuliffe organisierte das Geldsammeln auf traditionelle, elitäre Weise, so wie er es in den 1990er Jahren unter Bill Clinton gelernt hatte. Das Motto: Kleine Geldspenden unter 200 Dollar sind schön, aber das große Geld treiben wir bei den affluenten Spendern, bei den „Fat Cats“ ein. Die Strategie: große Fundraising-Dinner, ein Quotensystem für sog. „Hillraiser“, private Treffen mit Millionären in Hollywood und New York. Auch Barack Obama bat um Spenden und Bündeldienste der besser Verdienenden, sein Hauptaugenmerk lag jedoch auf dem Ausbau der Klein(st)spenderbasis. Das Resultat kann sich sehen lassen: Obama schuf ein Netzwerk von über 1,5 Mio. Spendern, die im Schnitt 100 Dollar an die Kampagne gaben. Diese Spenden kamen zu 90% über das Internet (und damit kostengünstig und schnell) herein.

3) Strategie

Im Interview mit George Stephanopolous (ABC News) sagte Clinton kurz vor den Caucuses in Iowa: „I´m in it for the long run. It´s not a very long run, it´ll be over by February 5th”. Der große Fehler der Clinton-Maschine war, nicht über den Super Tuesday hinaus geplant zu haben. Die gesamte Strategie war darauf ausgerichtet, die Nominierung an diesem Tag zu gewinnen, so wie es die demokratischen Kandidaten in den Jahren zuvor auch gemacht hatten. Nach der Patt-Situation am 5. Februar stand Clintons Kampagne nahezu ohne Geld und Organisation in denfolgenden Vorwahlstaaten dar. Obama hatte hingegen klugerweise auf eine breite Organisation in allen 50 Bundesstaaten gesetzt, deshalb auch seine elf Siege in Folge in der Zeit vom Super Tuesday bis zu den Vorwahlen in Wisconsin und Washington Mitte März.

In Vergessenheit geraten ist auch das Memo von Vize-Kampagnenchef Mike Henry, das im Mai 2007 an die Presse gelangte. In diesem Strategiepapier spekulierte Henry offen darüber, ob es sinnvoll sein würde für Hillary Clinton, in Iowa Wahlkampf zu machen. Die Clintons hatten wenig politische Unterstützer in diesem Staat, sie kannten sich mit der Organisation des Iowa Caucus nicht gut genug aus. Im Nachhinein wäre es sicher besser gewesen, Iowa zu skippen, um sich voll und ganz auf einen Sieg in New Hampshire zu konzentrieren. So hätte sich Clinton 15 Mio. Dollar und einen unnötigen Gesichtsverlust erspart, der den Anfang vom Ende ihrer Kampagne bedeutete.

June 04, 2008

Wie geht es weiter, Hillary?

Erstaunlich, diese Hillary Clinton. Selbst am Tag ihrer politischen Niederlage schafft sie es noch, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Klar: Barack Obamas Sieg ist historisch, sein Erfolg gegen die Wahlkampfmaschine der Clintons ein Phänomen. Aber das musste am Dienstag abend zurückstehen hinter dem PR-Getöse, welches das Team Hillary auslöste. Clinton gibt auf? Nein, nur eine Ente. Clinton als Vizepräsidentin? Nur angedeutet. Clinton macht weiter? Ja, aber nur ein bisschen.

Die Clintons als Epizentrum der Berichterstattung. Daran haben sie sich gewöhnt, das ist ihr Lebenselixir. Deshalb fällt der Schritt in die Normalität des Alltags so schwer. Aber wie wird dieser Alltag für Hillary Clinton in Zukunft aussehen? Eine Spekulation:

Vizepräsidentschaftskandidatin? Nein, danke...sagt Barack

Sicher wäre VP eine ehrenwerte Position für Clinton. Sie könnte aktiv an der politischen Ausgestaltung des Landes teilhaben. Auch im Wahlkampf käme eine Hillary Clinton gelegen, um die Gräben zuzuschütten, die sich in der Demokratischen Partei zwischen jung und alt, schlau und weniger schlau, zwischen Proletariern und Salonlinken aufgetan haben. Vieles spricht aber dagegen, dass Obama diesen Schritt wagen wird. Möchte er eine running mate, die ständig die Hierarchien innerhalb der Kampagne in Frage stellen würde?  Die nach Licht verlangt, wo doch eigentlich intelligentes Auftreten im Halbschatten geboten ist? Zudem steht Hillary genau für den Status Quo, den Obama so heftig anprangert. Er hat das Image des Frischen und Neuen kultiviert, dafür steht die Clinton-Dynastie nicht gerade. Am Ende wird es schon eher eine Frau wie Kathleen Sebellius werden. Die Gouverneurin im konservativen Kansas weiß, wie man Wähler im Heartland anspricht. Sie ist jung und hat (im Gegensatz zu Obama und Clinton) Exekutiverfahrung.

Führende Rolle im Senat? Warum nicht...

Mit ihrem langen, kämpferisch geführten Wahlkampf hat Hillary bei großen Teilen der demokratischen Stammklientel punkten können. Das erhöht ihr politisches Gewicht in Washington. Eine führende Rolle im Senat könnte ihr nach den Kongresswahlen im November durchaus zustehen. So hätte sie (durch die Hintertür) die Chance, die Geschicke des Landes (auch als Korrektiv zu McCain oder Obama) mitzubestimmen. Es könnte aber sein, dass ihr die Arbeit im Kongress zu schnöde geworden ist und sie ihre Augen deshalb auf ihren Heimatstaat New York richtet.

Gouverneurin in New York? Ist machbar...

Es ist noch nicht lange her, als eine Callgirlaffäre den demokratischen Gouverneur Eliot Spitzer das Amt kostete. Die Demokraten in New York haben also durchaus Bedarf für eine neue Führungsfigur mit Charme, Sachverstand und Schlagzeilenpotential. Im Empire State ist die Senatorin äußerst beliebt. Ihre Vorwahl gewann sie dort gegen Obama mit fast 20% Vorsprung, ihre Senatswahl 2006 sogar mit 36%.

Präsidentschaftskandidatin 2012? Hmm....

Obwohl das Rennen gegen McCain ein enges Ding wird, deuten alle strukturellen Faktoren auf einen Sieg von Barack Obama im Herbst hin. Schafft es der alte Haudegen McCain allerdings, sich von Präsident Bush, dem politischen Klima im Land und der eigenen Partei abzukoppeln, sich als Kandidat für den "richtigen Wandel" zu stilisieren, dann könnte das Weiße Haus doch noch für die Demokraten verloren gehen. Damit wäre die Bahn für "Hillary 2012" frei. Und dann wird sicher nicht nochmal ein so gut aussehender, eloquenter Wandelprediger daherkommen, der ihr die Kandidatur der Unvermeidlichkeit vermasseln könnte.

May 16, 2008

Das Ende der Revolution

Zu sehr fokussieren wir uns hier in Deutschland auf die Präsidentschaftswahl, das Auf und Ab der Kandidaten, den Kult um Persönlichkeiten. Dabei verlieren wir oft den Blick auf die zweite Ebene des politischen Systems in den USA, die nicht minder wichtig für den Kurs des Landes ist. Gemeint ist der Kongress, die Legislative, die den vermeintlich mächtigsten Mann der Welt stärker im Zaum hält, als es unser flüchtiger Blick in die USA suggeriert.

Was zur Zeit unter der Oberfläche des Präsidentschaftswahlkampfes passiert, ist nichts anderes als eine  Zeitenwende. Zum dritten Mal in Folge haben die Republikaner in diesem Jahr einen Sitz im Repräsentantenhaus verloren, nach massivem Einsatz von Ressourcen in Form von Geld und Freiwilligen. Diese Niederlagen in Nachwahlen (drei republikanische Abgeordnete hatten ihre Amtszeit vorzeitig beendet) sind an sich noch nichts Ungewöhnliches. Das Problem: Die verloren gegangenen Stimmbezirke in Illinois, Louisiana und zuletzt in Mississippi waren alle samt Hochburgen der Grand Old Party (GOP), sie galten in den letzten Jahren als sichere Festungen für republikanische Kandidaten. Präsident Bush hatte hier 2004 noch mit mehr als 20 Prozentpunkten Vorsprung vor John Kerry gewonnen (!).

Zusammen mit der Niederlage bei den Kongresswahlen 2006, bei denen die Republikaner 30 Sitze verloren hatten und ihre Mehrheit in beiden Häusern des Kongresses abgeben mussten, deutet alles auf einen nachhaltigen Wandel in der politischen Stimmung des Landes hin. Das lässt sich auch mit Umfragedaten belegen. Selten zuvor hatte die Republikanische Partei ein so schlechtes Image bei den Wählern wie im letzten Jahr der Präsidentschaft George W. Bush. Die Kongressparteien der GOP, die den Wahlkampf für ihre Wackelkandidaten in der Regel massiv unterstützen, sind finanziell in angespannter Lage. Zum zweiten Mal nach 2006 scheinen sie von ihren demokratischen Pendants beim Fundraising übertrumpft zu werden.

Zudem schaffen es die Parteiorganisationen der Republikaner zur Zeit nicht, geeignete Kandidaten für die umkämpftesten Wahlkreise zu finden. Ursprünglich hatte die GOP geplant, unerfahrene demokratische Kandidaten in konservativen Wahlkreisen wie Brad Ellsworth in Indiana oder Heath Shuler in North Carolina mit eigenen, qualitativ hochwertigen Kandidaten herauszufordern. Bisher haben sich keine guten Bewerber finden lassen. Kaum ein republikanischer Kandidat will sich in einem politisch schlechten Jahr wie diesem leichtfertig verbrennen.

Das Resultat: Hinter vorgehaltener Hand spekulieren die Strategen der Republikaner bereits über den Verlust von mehr als 20 Sitzen im Repräsentantenhaus und bis zu sechs Sitzen im Senat. Damit wäre das endgültige Ende der republikanischen Revolution besiegelt, die 1994 mit einem Bahn brechenden Sieg bei den Kongresswahlen eingeläutet worden war. Der Konservatismus steckt in den USA in der Krise, keine Frage. Die Helden der Revolution (wie Newt Gingrich, Tom „The Hammer“ DeLay und George W. Bush) sind alt und müde geworden. Das ideologische Feuer der vergangenen Jahre ist verflogen. Träte nicht der moderate John McCain für die GOP an, sondern ein konservativerer Kandidat, dann könnten wir schon jetzt den Sieg der Demokraten im November ausrufen. So bleibt es zumindest auf Präsidentschaftsebene spannend.

 

May 14, 2008

Sieg für die Moral

Hillary Clinton hat den erwarteten Erfolg in West Virginia eingefahren. Sie schlug Barack Obama deutlich mit 41 Prozentpunkten Vorsprung (67-26%). Ein Sieg für die Moral der Clinton-Kampagne, mehr aber auch nicht. Denn trotz des guten Abschneidens im Mountain State hat die Ex-First Lady kaum noch Chancen auf die Nominierung der Demokraten. Roger Simon fragte in einem Kommentar auf Politico.com sogar schon überspitzt: „Hillary Wins – Does Anybody Care?“ In der Tat wird erwartet, dass sich Barack Obama bereits am 20. Mai zum faktischen Sieger der Demokraten erklären wird, wenn er (seinen Rechnungen zufolge) nach den Vorwahlen in Kentucky und Oregon uneinholbar bei den „pledged delegates“ vorne liegt.

Auch ein Blick in Obamas Terminkalender macht deutlich, dass seine Aufmerksamkeit hauptsächlich John McCain gilt. Nur sporadisch machte er in West Virginia Vorwahlkampf. Seine Kampagne führte ihn stattdessen nach Missouri, einem der wahrscheinlichsten „battleground states“ im November. In den nächsten Tagen wird er zudem Michigan und Florida bereisen, Staaten also, in denen er aufgrund von Restriktionen der Bundespartei noch nicht wahlkämpfen durfte, die aber für einen Sieg gegen John McCain unverzichtbar sind.

Wir dürfen uns allmählich mit einem Duell Obama-McCain anfreunden. Für diesen Zweikampf sind die Zahlen aus West Virginia allerdings nicht gerade erbaulich für Obama. Sein Problem mit weißen Arbeitern und Angehörigen der unteren Mittelschicht trat auch gestern wieder eklatant zu Tage. Er bekam dort kein Bein auf die Erde mit bodenständigen, ökonomisch benachteiligten Demokraten. Mit einer Klientel also, die im Wahlforscherjargon gemeinhin als „Reagan Democrats“ bekannt ist, weil sie trotz wirtschaftlich unsicherem Status zur kulturell konservativen Philosophie der Republikaner neigt. Auch zeigten die Nachwahlbefragungen in West Virginia, dass fast jeder fünfte Wähler offen angab, dass Obamas Hautfarbe ein entscheidendes Kriterium bei der Entscheidungsfindung war. Über 80% dieser Wähler stimmten für Clinton.

Obama ist einmal mehr vor Augen geführt worden, dass er in den nächsten Wochen und Monaten viel zu tun hat, um die demokratische Basis hinter sich zu bringen. Drei Brücken muss er unbedingt schlagen. Erstens zwischen schwarz und weiß, zweitens zwischen jung und alt, drittens zwischen männlich und weiblich. Neueste nationale Umfragen belegen allerdings die ungebrochene elektorale Anziehungskraft Obamas. In der jüngsten  Washington Post/ ABC-Poll liegt er mit 51 zu 44 Prozentpunkten vor John McCain. In fast allen Landesteilen führt er deutlich gegen den „Mac“, selbst im Süden der USA, der republikanischen Hochburg schlechthin, liegt er nur 4 Punkte hinten.

May 08, 2008

Advantage Obama

Barack Obama hat im Rennen um die Kandidatur der Demokraten einen entscheidenden Schritt nach vorn gemacht. Hillary Clinton brauchte überzeugende Resultate, die sie nicht liefern konnte. Ein hauchdünner Sieg in Indiana (51-49%) und eine Niederlage in North Carolina (42-56%) reichten nicht aus, um dem Vorwahlkampf eine clintonsche Wendung zu geben. Der Vorteil liegt nach diesem Abend eindeutig bei Obama. In einem Q&A wollen wir die wichtigsten Fragen des Tages beantworten.

Hat Barack Obama die Nominierung jetzt (endlich) sicher?

Nein, das hat er noch nicht. Die absolute Mehrheit der Delegiertenstimmen konnte er nicht erreichen. Mit dem guten Abschneiden gestern stellte er aber die Weichen für einen endgültigen Sieg gegen Hillary. In North Carolina gewann Obama mit mehr als 200.000 Wählerstimmen Vorsprung, das ist beeindruckend. Zählt man sein gutes Resultat in Indiana hinzu, so besteht für Hillary Clinton mathematisch kaum noch die Chance, Obama in Form von Delegiertenstimmen und absoluten Wählerstimmen zu überholen. Die noch unentschiedenen Superdelegierten (ca. 275 von 796) werden sich aller Wahrscheinlichkeit nach nicht gegen das Votum der Basis stellen.

Wichtiger für Obama ist aber, dass er nach seinem härtesten Kampagnenmonat (Stichworte: Jeremiah Wright, Kleinstadtwähler-Schelte, Niederlage in Pennsylvania) zurück in der Erfolgsspur ist. Er hat den Wählern und (vor allem) dem Parteiestablishment gezeigt, dass er die Härte und Standhaftigkeit für den Hauptwahlkampf hat.

Wie sieht die Zukunft für Hillary Clinton aus?

Mit einem Wort: Düster. Hillary Clintons Team hatte sich Hoffnungen gemacht, dass sie in Indiana klar gewinnen und Obamas Umfragevorsprung in North Carolina deutlich verringern würde. Daraus wurde nichts. Ihre ganze Argumentation ist damit ins Wanken geraten, die da hieß: „Ich habe Momentum. Obama schwächelt. Ich bin die wahre Vertreterin der demokratischen Basis. Obama ist zu elitär und abgehoben, er hat keinen Zugang zum „kleinen Mann“. Zwar hat Hillary auch gestern wieder die weißen Wähler am Besten erreicht (vor allem weiße, ältere Frauen). Die Zweifel an Obama sind also berechtigt. Doch was am Ende zählt, sind die Konstruktionen von Sieg und Niederlage, Mikrodaten geraten da schnell in Vergessenheit.

Auch wenn sie gestern Abend noch mit dem nötigen Zweckoptimismus erklärte: „We go full speed – on to the White House“, hat Hillary Clinton in der derzeitigen Konstellation kaum noch Chancen auf einen Sieg. Ihr einziger Pfad zur Nominierung ist es, das Spielfeld zu ändern, in dem sie darauf drängt, die Delegierten und Wählerstimmen aus Michigan und Florida vollständig zählen zu lassen. Da sie beide Staaten mit großem Abstand gewonnen hatte, könnte ihr das eine Art Momentum am Grünen Tisch verschaffen. Zur Information: Michigan und Florida hatten ihre Vorwahlen zeitlich unrechtmäßig nach vorne verlegt. Als Konsequenz strafte sie das Democratic National Committee (DNC) mit einem Ausschluss vom Parteitag. Es fand kein Wahlkampf in den beiden Staaten statt, Obama stand noch nicht einmal auf dem Wahlzettel in Michigan. Am 31.Mai tagt das Rules and Bylaws Committee (eine Art Parteischiedsgericht) des DNC in Washington, um eine Empfehlung über das Schicksal der Delegierten in Michigan und Florida abzugeben. Es sieht aber nicht danach aus, als wenn Clinton sich mit ihren Forderungen durchsetzen könnte.

Wie geht es weiter?

Sechs demokratische Vorwahlen stehen noch aus, bei denen allerdings nur 187 Delegiertenstimmen vergeben werden. Hillary Clinton kann nach derzeitigen Umfragen auf Siege in West Virginia (13. Mai) und Kentucky (20. Mai) spekulieren; Obama liegt hingegen in Oregon (20. Mai) vorn. Danach stimmen noch Puerto Rico (1. Juni) sowie Montana und South Dakota (3. Juni) ab. Dort ist das Rennen noch relativ offen. Alles Hin und Her nützt aber nichts: Hillary Clinton muss sich vorsichtig damit abfinden, dass sie (nach hartem Kampf) das Rennen gegen Barack Obama verloren hat.

Hier Obamas Siegesrede, gehalten in Raleigh, North Carolina: 

May 06, 2008

Kampf um das Heartland

Der nächste Tag der Entscheidung ist gekommen. Heute finden die demokratischen Vorwahlen in Indiana und North Carolina statt, in denen zusammen 187 Delegierte vergeben werden, so viele wie an keinem anderen Wahltag mehr bis zum Ende der Vorwahlsaison am 3. Juni.

Barack Obama und Hillary Clinton haben in den vergangenen Tagen verbissen um jedes noch so kleine Segment von Wählerstimmen gekämpft. Eine Wählergruppe stand dabei im Fokus der Aufmerksamkeit: weiße Arbeiter und Angehörige der unteren Mittelschicht. Um die Gunst dieser in den USA gern als „blue collar voters“ bezeichneten Klientel ist ein intensiver Wettstreit ausgebrochen. Hillary Clinton, in den 1990er Jahren noch als elitär und abgehoben portraitiert, geriert sich in den vergangenen Wochen immer mehr als einzige echte Arbeiterführerin im Wahlkampf. Sie gibt sich offen dem ökonomischen Populismus hin, indem sie gegen den Rat von Wirtschaftsexperten empfiehlt, die Benzin-Steuern den Sommer über auszusetzen, um den autofixierten Amerikanern eine schnelle Netto-Entlastung zu bescheren. Auf Wahlkampftouren geißelt Clinton hohe Studentenkreditraten als moderne Schuldknechtschaft und bezeichnet die Hypothenkrise als groß angelegte Manipulation der gierigen Finanzdienstleister. Sie führt immer öfter Wahlkampf an den Kultstätten des bodenständigen Amerikas (NASCAR Hall of Fame, Community Colleges, Pickup-Truck-Händler) und konstruiert Barack Obama als elitär und entrückt von der Lebenswirklichkeit des Durchschnittsamerikaners.

Als Reaktion auf diese Anfeindungen hat auch Obama seinen Stil bodenständiger gemacht. Immer öfter betont er seine Herkunft aus kleinen Verhältnissen, erzählt von seiner Zeit als Sozialarbeiter im Süden Chicagos und den finanziellen Schwierigkeiten, die seine Familie hatte, als er noch nicht der Politstar (inkl. zweier millionenschwerer Buchverträge) war, der er heute ist. Interessanterweise organisiert das Obama-Team weniger Massenveranstaltungen, die Zeit der schillernden Großkundgebungen scheint vorerst vorbei zu sein. Obama trifft Wähler in kleineren Settings, in Diners und Fabriken, auf Bauernhöfen oder bei Hausbesuchen in den Vororten von Indianapolis, um sich volkstümlicher und weniger abgehoben zu zeigen. Immer öfter sieht man ihn mit hoch gekrempelten Ärmeln und locker sitzendem Schlips. Auch seine Rhetorik ist weniger beladen mit blumigen Botschaften des Wandels und der Hoffnung, sondern geht gezielter ein auf die Ängste und Nöte der von der drohenden Rezession betroffenen Arbeiter- und Mittelschicht.

Der Kampf um das Heartland bleibt spannend. Der wahrscheinlichste Ausgang der Vorwahlen: Barack Obama gewinnt North Carolina, Hillary Clinton setzt sich in Indiana durch. Diese Einschätzung unterfüttern die neuesten Umfragen in beiden Staaten. Fest steht auf jeden Fall, dass Clinton in Indiana gewinnen muss, wenn sie ihre Kampagne am Leben halten möchte. Aber diesen Druck ist die Steh-Auf-Frau des Vorwahlkampfes ja gewohnt.

Hier gibt es den letzten Spin direkt von den Kandidaten, die brav ihre „Morning Media“ absolvierten:


April 23, 2008

Die vielen Leben der Hillary Clinton

Keine Frage: Das war ein wichtiger Sieg für Hillary Clinton in Pennsylvania, wieder einmal ein stabiler Rettungsanker zur richtigen Zeit. Deutlich verwies sie Barack Obama in die Schranken, mit 10 Prozentpunkten Vorsprung (55% zu 45%). Einmal mehr strafte sie ihre Gegner Lügen, die ihr den vorzeitigen Ausstieg aus dem Rennen um die demokratische Nominierung nahe gelegt hatten. Barack Obama kann zwar erhobenen Hauptes in die nächsten Vorwahlen gehen, weil er es in den vergangenen sechs Wochen geschafft hat, den Abstand auf Hillary Clinton von über 20 Prozent auf zehn Punkte zu verkürzen. Doch insgeheim hatte sein Team sicherlich auf einen knapperen Ausgang der Vorwahlen gehofft. Ein Blick auf die Daten der Nachwahlbefragung zeigt, wie und warum Hillary Clinton gewonnen hat.

Die Nachwahlanalyse

Die Nachwahlbefragungen zeigen, dass Hillary Clinton ihre Stammklientel extrem gut mobilisieren konnte. Die Stimmen der weiblichen Wähler gewann sie mit 12 Prozentpunkten Vorsprung, weiße Frauen sogar mit 28 Prozent Abstand. Sie hatte ebenso Vorteile bei den unteren Einkommensschichten bis $50.000 Jahresgehalt (+10%) wie auch bei Menschen mit niedrigem Bildungsabschluss (+28%). Senioren und Katholiken gewann sie mit deutlichem Abstand. Entscheidend war auch ihr gutes Abschneiden bei Wählern, die das Thema Wirtschaft und Arbeitsplätze ganz oben auf ihrer Agenda hatten. Hier siegte Hillary Clinton mit 12 Prozentpunkten vor Barack Obama. In Zeiten der Wirtschaftskrise konnte Clinton sich in Pennsylvania also als die kompetentere Problemlöserin etablieren. Diese These wird von Wahlergebnissen aus den ehemaligen Stahlarbeiterregionen des Nordostens untermauert. In diesen, vom Strukturwandel besonders hart betroffenen Gegenden gewann Clinton haushohe Mehrheiten, wie z.B. in den Bezirken Luzerne und Lackawanna, die sie mit knapp 50 Prozentpunkten Vorsprung für sich entscheiden konnte.

Barack Obama hatte seine Hochburgen hingegen in Philadelphia und dessen Vororten sowie in den College-Städten des Keystone State. An dieser regionalen Verteilung lässt sich auch die Struktur der Obama-Wähler deutlich machen. Er schafft es, eine bunte Koalition aus schwarzen Wählern in den Innenstädten, aus gut situierten Bewohnern der Vorstädte und jungen Collegestudenten zu formen. Sein Problem tritt aber deutlich zu Tage: Auch nach vielen Monaten des Vorwahlkampfes schafft er es nicht, entscheidend in das Wählerreservoir Hillary Clintons einzudringen.

Wie geht es weiter?

Hillary Clinton wird das Momentum dieses Sieges nutzen, um massiv auf die Superdelegierten einzuwirken, also auf das Parteiestablishment, das aller Wahrscheinlichkeit nach am Ende der Vorwahlsaison über Sieg und Niederlage entscheiden wird. Das Establishment-Lobbying ist lebensnotwendig für Clinton, denn auch mit ihrem Sieg in Pennsylvania hat sie es nicht geschafft, den Vorsprung Obamas bei den Delegiertenstimmen oder den absoluten Wählerstimmen entscheidend zu verkürzen. Ihr Argument wird deshalb ein psychologisches sein: „Schaut nicht nur auf die schnöde Mathematik des Delegiertenrennens! Wie dieser Sieg zeigt, gibt es massive Zweifel an Obama bei einem Großteil der demokratischen Wählerschaft. Er kann den Sack nicht zumachen („Why can´t he close the deal?“); er kann die bevölkerungsreichen Staaten nicht gewinnen, die wichtig sind für einen demokratischen Sieg im November. Obama erscheint zu elitär, nicht „in touch“ mit der Basis der Demokraten. Ich dagegen bin die wahre Ombudsfrau der kleinen Leute, unserer Kernklientel.“

Ob diese Argumentation ziehen wird, ist fraglich. Hillary Clinton ist faktisch pleite. Sie braucht sehr viel Geld und das schnell (deshalb auch ihr expliziter Hinweis auf ihre Fundraising-Website während ihrer Siegesfeier gestern Abend). Am 6. Mai stehen die nächsten Vorwahlen in Indiana und North Carolina an. Schon jetzt haben Mitarbeiter aus Hillarys Team zu verstehen gegeben, dass ein Sieg in Indiana für sie Pflicht ist. Die nächste Wasserscheide im Kampf um die Nominierung ist also in Sicht. Wir werden sehen, ob sie auch diese Hürde nimmt. Eines ist gewiss: Diese Frau hat viele Leben!

Hier die Siegesrede von Hillary Clinton gestern Nacht in Philadelphia:

            

April 10, 2008

Luft wird dünner für Hillary

Schlechte Nachrichten ist die Clinton-Kampagne mittlerweile gewöhnt. Doch was die Umfrage der Quinnipiac-Universität zu Tage brachte, geht ans Eingemachte. Hillary Clintons Vorsprung in Pennsylvania schmilzt wie das Packeis am Nordpol. Sie liegt derzeit nur noch mit 6 Prozentpunkten vor Barack Obama, also knapp an der Grenze zum psychologisch wichtigen statistischen Fehlerbereich (margin of error). Clinton kommt auf 50%, Obama auf 44%. Noch beunruhigender für Clinton: Obama schafft es erstmals, substantiell in die Wählerhochburgen der Senatorin einzudringen. Bei weiblichen Wählern liegt er nur noch 13 Punkte hinten, hier hat Obama vier Punkte in einer Woche aufgeholt.

Setzt sich dieser Trend fort, dann wird es für Clinton schwerer, ihr Durchhalten zu rechtfertigen. Sie braucht einen überzeugenden Sieg in Pennsylvania. Ansonsten wird sie von einer Welle von Forderungen nach einem Verzicht auf ihre Kandidatur überrollt werden. Clinton weiß, dass es um alles oder nichts geht. Deshalb startete sie (trotz knapper Kasse) kürzlich das, was die Amerikaner einen „media blitz“ nennen, einen intensiven TV-Wahlkampf mit einer Reihe von neuen Wahlkampfspots. Hier ein Spot mit Pennsylvanias politischem Urgestein, Gouverneur Ed Rendell: