Barack Obama

July 30, 2008

Wo bleibt der Aufschwung?

Nach der internationalen Festwoche, die Barack Obama mit seinem Auftritt vor über 200.000 Menschen in Berlin gekrönt hatte, stellt sich die Frage nach den Effekten seiner Auslandsreise. Hat er im Zuge der hohen medialen Aufmerksamkeit und der in großen Teilen positiven Beurteilung seiner Welttournee Punkte an der Heimatfront machen können? Diese Frage stellt sich auch Adam Nagourney in der New York Times.

Wie Nagourney richtig anmerkt, ist es in der Tat auffällig, dass die Massen zwar zu Obama strömen, sich der überbordende Enthusiasmus für seine Person und seine Botschaft aber kaum in den Umfragen ablichten lässt. Natürlich führt Obama weiterhin das Rennen gegen John McCain an, aber sein Vorsprung bewegt sich in einem Rahmen von etwa zwei bis sieben Prozent. Bisher hat er die psychologisch so wichtige Marke von 50 Prozent Wählerzustimmung noch nicht erreicht.

Interessanterweise scheint McCain seine zugewiesene Rolle des medialen Hinterbänklers wenig zu schaden. Die Anti-Bush-Stimmung kann dem politischen Haudegen, der sich als unabhängiger Politiker mit Reformpotenzial verkauft, wenig anhaben. Müssen wir also um einen Sieg Obamas fürchten?


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Entwarnung kommt vom National Committee for an Effective Congress (NCEC). Die Organisation ist das historische Wählerwissen der Partei, weil sie so fundiert wie kaum eine andere Institution Wählertrends für demokratische Kandidaten analysiert. Und dies überall im Land, von der Bundes- bis hinunter auf die Kreisebene. NCEC streicht den Unterschied zwischen diesem Wahljahr und den letzten beiden heraus, die bekanntlich erfolgreich für die Republikaner endeten.

Seit Februar diesen Jahres liegt Barack Obama konstant in den Umfragen vor John McCain. Selbst in den bisher schwierigsten Zeiten seiner Kampagne, kurz nach den Vorwahlen in Pennsylvania, änderte sich an diesem Trend nichts. Diese Tatsache steht im krassen Gegensatz zu den Zahlen aus 2004, als John Kerry gegen George W. Bush antrat. In jenem Jahr wechselte die Stimmung sehr stark. Kerry konnte zu keinem Zeitpunkt einen so substantiellen Vorsprung erarbeiten wie Obama ihn heute besitzt.


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In Zeiten eines polarisierten Elektorats in den USA, das eine weitaus geringere Zahl von Wechselwählern kennt wie das deutsche, scheinen zwei bis sieben Prozent Vorsprung ein guter Wert zu sein. Rufen wir uns in Erinnerung. Falls Obama die Staaten gewinnt, die Kerry 2004 für sich entschieden hat, dann muss er „nur“ noch Ohio in sein Portfolio holen, um über die magische Zahl von 270 Wahlmännerstimmen zu kommen. Einfach wird das nicht. Obama hat aber die besseren Optionen. Gewinnt er  Ohio wider erwartend nicht (die Umfragen sehen ihn dort mit 1,5 Prozent vorn) kann er sich die 20 Stimmen auch in Virginia, New Mexico, Iowa, Colorado oder Nevada zusammenholen.

Es bleibt wie immer… spannend!

July 25, 2008

Mittendrin statt nur dabei: Obama in Berlin

Deutschland trifft den Superstar, so titelte der SPIEGEL sehr treffend zu Wochenbeginn. In der Tat hatte Obamas Auftritt gestern im Tiergarten etwas von Fanmeile und Popkonzert in einem. Tausende Menschen strömten mit diffusen Erwartungen auf die Straße des 17. Juni, um ihre neue, globale Projektionsfläche Barack Obama zu sehen und zu hören. „History was in the making“… und man wollte dabei sein.

200.000 Zuhörer kamen. Respekt, Barack. Für einen noch nicht nominierten Präsidentschaftskandidaten eines auswärtigen Landes sehr ordentlich. In diese Dimensionen ist bisher wohl nur Nelson Mandela vorgestoßen. John McCain, Angela Merkel und Nicolas Sarkozy hätten diese Zahl von Menschen nicht einmal gemeinsam auf die Beine bekommen.  Was zunächst auffiel bei dieser Show des großen Inszenierers war die bunte Mischung des Publikums. Von Altlinken über Studenten und Schüler, Touristen und Auslandsamerikaner bis hin zu Mitarbeitern der Agenturen und Ministerien schien alles vertreten zu sein. Jeder wollte Inspiration, einen rhetorischen Happen oder einen zitationsfähigen Einzeiler mit nach Hause nehmen.

Obama_in_berlin Obama enttäuschte nicht, auch wenn seine Redenschreiber schon Besseres produziert hatten. Es ging um die großen Linien der Außenpolitik, um Metaphern und Symbolik. Obama wollte diesen Auftritt nicht als Wahlkampfveranstaltung verstanden wissen. Dennoch benutzte er die gleiche Rhetorik, mit der er in den USA reüssiert hatte. Es ging um Einheit, um Hoffnung und Wandel.

In der Tat beschlich einen doch sehr schnell das Gefühl, dass hier keine substantielle Rede über die Kernthemen der transatlantischen Beziehungen gehalten wurde. Sicher hatte die Rede wichtige sachpolitische Elemente. Obama sprach stärker als andere seiner Vorgänger von transatlantischer Kooperation (die auch ein gemeinsames Engagement in Afghanistan beinhaltet). Er sagte, dass die USA nicht perfekt seien und Fehler in der Vergangenheit gemacht hätten. Den meisten Beifall bekam er, als er auf die strikte Einhaltung der Menschenrechte und eine kernwaffenfreie Welt abhob. Auf der Bühne vor der Siegessäule stand aber ein amerikanischer Wahlkämpfer, der Bilder und Sprachschnipsel für die Menschen in seinem Heimatland produzierte.

Da sind wir beim richtigen Thema… Hat Obama die Rede auf seinem Weg ins Weiße Haus geholfen? Ich glaube kaum. Natürlich dominierte der Politstar die Medienberichterstattung in den USA. Natürlich konnte er sich außenpolitische Sporen mit seinen Besuchen in Afghanistan, im Nahen Osten und in Europa verdienen. Mitten im Hype um den Auftritt Obamas vergessen wir aber schnell, dass diese Form der europhilen Hyperkandidatur auf viele amerikanische Wähler sehr befremdlich wirkt. Die Frage, die vielen Durchschnittswählern in den USA durch den Kopf gegangen sein wird, könnte ungefähr so lauten: „Europe loves Obama? That´s great, but… so what?“

Obama muss aufpassen, dass er die Schraube des Massenwahnsinns nicht zu weit dreht. Außenpolitische Lorbeeren verdient man sich eigentlich anders. Schon einmal im Laufe dieses Wahlkampfes hat ihm seine Über-Popularität geschadet. Viele bodenständige Kleinstädter in Ohio und Pennsylvania fanden es nichts anderes als abgehoben und suspekt, was dort an Star-Power auf sie zukam. Sie wählten mehrheitlich Hillary Clinton.

Ein Blick in die Umfragen holt uns und Obama vollständig zurück auf den Boden.Gallup prognostiziert derzeit ein äußerst knappes Rennen. Obama liegt mit hauchdünnen zwei Prozentpunkten vor McCain. Eine Analyse der Washington Post ergab, dass McCain in den Schlüsselstaaten des Wahlkampfes massiv an Zustimmung gewonnen hat. In Colorado liegt er wieder vorn, in Minnesota hat er in den letzten Wochen sieben Prozentpunkte dazu gewonnen (!).

Das Rennen ist alles andere als entschieden. Noch ist Obama nicht die Nr. 44, die sich einige Kommentatoren in diesem Land so sehnlich wünschen.

July 22, 2008

McCain kämpft gegen globale Obamania

Barack Obama ist in der Welt unterwegs, um sich internationale Lorbeeren zu verdienen. Seine Besuche in Afghanistan, im Irak, in Israel oder in Berlin produzieren exakt die Bilder, die die Obama-Kampagne haben will. Obama im Helikopter mit General Petraeus, Obama im Zwiegespräch mit dem irakischen Regierungschef Maliki, Obama beim lockeren 3-Punkte-Werfen mit Soldaten in Kuwait, Obama an der Siegessäule vor dem Brandenburger Tor.

Daheim versucht John McCain derweil verzweifelt, die Berichtererstattung über die globale Obamania zu durchbrechen. Zunächst veröffentliche er seinen ersten Negativ-Spot der Saison, der Obamas Kompetenzen als Außenpolitiker direkt angreift. Obama wird vorgeworfen, dass er als Unterausschussvorsitzender im Senat zum Thema Afghanistan keine einzige Anhörung veranstaltet hat (stimmt). Zudem wirft ihm McCain vor, gegen die Finanzierung der Truppen im Irak gestimmt zu haben (stimmt nur in einem einzigen Fall, ist deshalb tendenziös).

Dann machte McCain Halt beim politischen Urgestein George H.W. Bush, den er in seinem Feriendomizil in Maine besuchte. Die Bilder waren nicht gerade spektakulär. Zwei alte Herren fuhren auf einem Cart über einen Golfplatz und unterhielten sich über die großen Linien der Außenpolitik, ansonsten wahrscheinlich über Gott und die Welt. Etwas ungerechtfertig von McCains Wahlkampfberatern, dass sie sich wirklich noch darüber aufregen, wie die Presse Obama derzeit bevorzugt.

July 18, 2008

Große Kunst im Wahlkampf

JibJab is back! Die Humorspezialisten, bekannt für satirisch-bissige Web-Videos, schalten sich wieder in den Präsidentschaftswahlkampf ein. Mit ihrem witzigen Film: „Time for Some Campaignin`“ haben sie einmal mehr einen Internet-Hit gelandet. Bekannt geworden ist die Gruppe mit ihrem Stück "This Land", das der erste große virale Internet-Erfolg des Wahljahres 2004 war.

In ihrem neuen Video lassen die Macher nichts aus. George W. Bush, Dick Cheney, Hillary Clinton, John McCain und Barack Obama, sie alle bekommen ihr Fett weg. Die schönste Szene: Obama reitet auf einem Einhorn durch den Zauberwald des Wandels. Großartig! Sehen Sie selbst:

July 17, 2008

Das große Los

Ich empfehle allen Politikjunkies, sich auf die E-Mail-Listen der beiden Kandidaten einzutragen. Fast jeden Tag bekommt man dann freundliche Post von Barack Obama oder John McCain, natürlich mit persönlicher Ansprache. Nach einem netten „Dear Maik“ oder „My friend“ (McCain) folgen die neuesten Botschaften, Kampagnennews und Web-Videos. Mindestens jede zweite Mail hat allerdings den Zweck, schnöden Mammon einzutreiben. Der neueste Trend beim E-Fundraising: Lotterien.

Backstage_hdr_e_2 Barack Obama lockt seine Unterstützer mit einem Backstage-Besuch beim Nominierungsparteitag. Jeder willige Geldgeber, der 5 Dollar oder mehr spendet, kommt in einen großen Lostopf. Die Gewinner können sich auf eine Zwei-Tage-Reise nach Denver freuen. Hotel, Verpflegung und Eintrittskarten sind inklu. Mit im Paket ist ein Gespräch mit dem Popstar Obama kurz vor seinem Auftritt vor ausverkauftem Haus im Stadion der Denver Broncos. Die Botschaft an die Spender: Geschichte wird gemacht und Du darfst dabei sein.

John McCain hat weniger Spektakuläres zu bieten, auch wenn das Prinzip das Gleiche ist. Er bietet seinen Unterstützern eine Fahrt in seinem Straight-Talk-Express an. Im O-Ton heißt das: „We are re-launching our popular "Ride the Bus" contest this week to give one lucky McCainiac and a friend the chance to spend a day on the Straight Talk Express with John McCain.” Leider dürfen deutsche Staatsbürger kein Geld an die Kampagnen geben. Leider…

 

July 14, 2008

Washington Watch III

Es ist immer schön, Freunde zu haben, vor allem in Kampagnen. Freunde können die Kandidaten kommunikativ unterstützen, sie geben ihnen Expertise oder Glaubwürdigkeit bei wichtigen Zielgruppen. John McCain und Barack Obama haben zahlreiche solcher Freunde („surrogates“). In den vergangenen Tagen stellten diese Unterstützer aber mehr Wehe als Wohl für die Kampagnen dar.

Am Mittwoch war es Jesse Jackson, der in ein offenes Mikrofon flüsterte, wie gerne er Barack Obama die „Eier abschneiden“ würde, weil er zu abgehoben und autoritär zur afro-amerikanischen Gemeinde spräche. Was hatte Obama gesagt? Im Frühjahr hatte er eine Rede vor einer schwarzen Gemeinde gehalten, in der er das Problem zerbrochener Familien und das geringe Verantwortungsbewusstsein afro-amerikanischer Männer ansprach. Dieser „straight talk“ hat anscheinend tiefe Wunden hinterlassen, vor allem bei schwarzen Symbolfiguren wie Jesse Jackson und Al Sharpton. Jackson bedauerte seinen Kommentar, aber das Thema rauschte ungedrosselt in die Abendnachrichten. Insgesamt kann diese Episode Obama aber helfen, der sich bewusst von der alten, etablierten, oft polarisierenden Bürgerrechtler-Garde absetzen kann. Punkt Obama.

Anders verlief ein Ausrutscher von Phil Gramm, Ex-Senator aus Texas und einer der einflussreichsten Wirtschaftsberater von John McCain. Er diktierte Reportern der Washington Times in den Notizblock, dass Amerikaner keine reale Rezession durchleben würden, sondern eine mentale. Als Krönung nannte er das Land eine Nation von Jammerlappen. Das war starker Tobak, weil es das Bild eines John McCain zu bestätigen scheint, der sich den Nöten der Menschen nicht öffnet und sich unsicher auf dem Feld der Ökonomie bewegt. McCains Antwort auf den rhetorischen Ausfalls seines Beraters war schnell und konsequent. Er distanzierte sich von Gramm und stellte ihm in Aussicht, höchstens noch Botschafter in Weißrussland unter ihm werden zu können. Ob das reicht, ist zu bezweifeln. Der Gramm-Kommentar wird mit Sicherheit in demokratischen TV-Spots auftauchen.

Einmal mehr zeigt sich: In einem komplexen kommunikativen Umfeld, in einem fragmentierten Medienumfeld, ist es unglaublich schwer, „on message“ zu bleiben.

Washington Watch II

Hier in Washington ist es genauso deutlich zu spüren wie in anderen Teilen des Landes. In Zeiten steigender Benzinpreise, einer kriselnden Wirtschaft, einer hartnäckigen Hypothekenkrise und dem militärischen Engagement im Irak wünschen sich die Menschen nichts Sehnlicheres als politischen Wandel.

Selten war ein Präsident so unpopulär, das Klima ist unterirdisch für die Republikanische Partei. Hätten die Republikaner nicht John McCain aufgestellt, dann könnten sie den Wahlkampf bereits ad acta legen. So aber bleibt es spannend. Es gibt in der Tat genug Szenarien, in denen McCain die Oberhand im Electoral College behalten würde. Denn es sei noch mal gesagt. Präsident wird nicht, wer die meisten Wählerstimmen im Land bekommt, sondern derjenige, der die Mehrheit der Wahlmännerstimmen (270) für sich gewinnen kann. Wir müssen also auf die einzelnen Bundesstaaten schauen.

Zur Zeit liegt Obama in Schlüsselstaaten wie Ohio, Michigan oder Pennsylvania vorne. Diese Staaten haben aber eines gemeinsam: Eine große Zahl an weißen Arbeitern und weißer unterer Mittelschicht, die zwar ökonomisch in Richtung  Demokraten tendiert, bei kulturellen und außenpolitischen Themen jedoch eher auf Seiten der Republikaner steht. John McCain hat in dieser bedeutenden Wählergruppe Chancen, mit seiner persönlichen Lebensgeschichte und seiner politischen Erfahrung zu punkten, sich als amerikanischer Held, als unabhängiger Kämpfer für das Gute zu präsentieren. Obama ist und bleibt gefühlte 3.000 Kilometer über dem Boden für diese Menschen. Man spürt wie abgehoben und glatt er (noch) auf diese Wählergruppen wirkt. Er hat all das, was sie nicht haben. Einen Harvard-Abschluss, Eloquenz, Geld, ein schillerndes Starleben. Und er ist Afro-Amerikaner. Ein Punkt, den man leider nicht unterschätzen darf. Mike Podhorzer, leitender Stratege des Gewerkschaftsbundes AFL-CIO bringt all dies auf den Punkt, wenn er sagt: „People want change. But they don´t know if they want THAT much change.“

Bill Clinton war der letzte Demokrat, der bei weißen Wählern gut abgeschnitten hat. Dukakis, Gore, Kerry, sie alle verloren diese wahlentscheidende Gruppe deutlich. Clinton schaffte es ins Weiße Haus, der Rest bekanntlich nicht. Es bleibt spannend! Hier die neueste Battleground-State-Analyse von Brad Todd, einem der besten Wahlkampfexperten, den Amerika zu bieten hat:

July 09, 2008

Washington Watch I

In dieser Woche gibt es ungefilterte Einblicke aus den Vereinigten Staaten, direkt aus Washington DC. Frisch angekommen in der Hauptstadt, auf dem Weg zur National Mall, begegnete ich gleich dem ersten Obama-Volunteer. Eine Mutter lief mit ihren kleinen Kids von Haus zu Haus, um Plakate und Sticker zu verteilen. Freundlicherweise hatte sie mich schnell in ihr Herz geschlossen und drückte mir mit einem freundlichen „Take it with you to Germany, honey!“ ein blaues Obama-Poster in die Hand. In der Tat ist Obama allgegenwärtig in dieser Stadt, auf Plakaten, auf Autos und Motorrollern. Von John McCain war bisher wenig zu sehen, das mag aber noch kommen.

Am Wochenende standen Polit-Talkshows auf dem Programm. Das übliche Geplänkel in der Zeit zwischen dem Ende der Vorwahlen und den Nominierungsparteitagen. Einziges Highlight war der Auftritt von Bob Barr, dem Kandidaten der Libertarian Party. Sein Credo: „Kill the Nanny State!“ Barr will den Staat weitgehend abschaffen. Egal ob Sozialhilfe, Steuern oder Drogenkontrolle, die Libertären hassen die angebliche Allmacht Washingtons.

In den Medien bestimmen aber die Themen Energie und Wirtschaft die Agenda. Kaum eine Fernsehsendung ohne Tipps zum Energiesparen. Die Amerikaner wachen auf. Der Markt regelt die Preise, die Preise regeln das Verhalten. So läuft es nun einmal hier. Die Folge: Toyota Prius und doppelglasige Fenster stehen hoch im Kurs. Das Thema Wirtschaftsflaute treibt die Menschen um. Selten habe ich Amerikaner mit so viel Angst vor der Zukunft getroffen wie in diesen Tagen. Eine kleine Revolution in einem zweckoptimistischen Land.

Auch die Kandidaten haben die Zeichen der Zeit erkannt. Gleich zwei neue Spots behandeln die oben genannten Themen. John McCain bekommt Unterstützung vom Republican National Committee, das McCains Energiepolitik als innovativ preist und Obama als durchschnittlichen Normalpolitiker ohne neue Lösungsansätze konstruiert. Man merkt: Es geht darum, wer sich den Mantel des effektivsten und glaubwürdigsten Reformers in einem Jahr des politischen Wandels überstreifen kann.

Barack Obama schickt dagegen einen sog. „bio ad“ über den Äther. In seinem neuesten Spot webt er seine Lebensgeschichte (v.a. seine Zeit als Sozialarbeiter in Chicago) geschickt in die Sorgen und Nöte der Menschen in Zeiten der aktuellen Wirtschaftskrise ein. Wieder einmal ein grandioser Spot vom Team Obama, der seine Positionen geschickt austrahiert zwischen ökonomischem Populismus und förderndem Sozialstaat.

July 03, 2008

Mach Dein Ding!

Es war eine schöne Veranstaltung in Unity, New Hampshire. Beide Kandidaten feierten ihre Einheit (und sich selbst). Obamas Schlips passte zu Clintons Hosenanzug, beide fielen sich in die Arme und lobten sich bis über den grünen Klee. Alles perfekt.

Beobachter dieser Szene stellten sich natürlich sogleich die Frage, ob die neue Eintracht auch ein Ticket Obama-Clinton zeitigen könnte. Einiges würde für dieses Traum-Duo sprechen. Unter anderem könnte Hillary Clinton die obamafernen Wählerschichten zurück in die Partei bringen und dem Ticket eine deutliche Prise politische Erfahrung beigeben. Mir stellte sich allerdings eine andere, eher ketzerische Frage: Braucht Barack Obama Hillary überhaupt noch?

Erstens: Die demokratischen Hillary-Wähler sammeln sich schon jetzt hinter Obama. Kürzlich fand eine Umfrage von NBC und Wall Street Journal heraus, dass Frauen, die in den Vorwahlen für Clinton gestimmt hatten, Obama klar gegenüber McCain favorisieren (61% zu 19%). Auch Hispanics stehen zu großen Teilen hinter der Kandidatur von Barack Obama, der in dieser Zielgruppe 30 Prozentpunkte vor John McCain liegt . Schaut man ganz allgemein auf die potenziellen Abweichler bei den Demokraten, die ihre Stimme John McCain geben wollen, so liegt diese Zahl unter 10%. Ein normaler Wert. Man sieht, dass die Partei sich schneller hinter ihrem Kandidaten vereinigt hat als angenommen. Sicher ist der harte Vorwahlkampf bei vielen nicht vergessen. Die Erinnerung an diese Zeit wird aber verblassen, sobald die inhaltlichen Gegensätze zu McCain deutlicher werden.

Zweitens: Obama ist finanziell autark. Zwar traf er sich erst kürzlich mit den Top-Fundraisern der Clinton-Kampagne in Washington, DC. Dies war aber eher dem Anstand gegenüber Hillary gezollt und deutete weniger auf den Bedarf an einer kräftigen Geldspritze hin. Obama hat ein unglaubliches Netzwerk von über 1,5 Millionen Kleinspendern aufgebaut. Diese grasverwurzelte Geldmaschine wird ihn mit genügend finanziellen Ressourcen bis zum Wahltag am 4. November versorgen und ihm das Image des volksfinanzierten Kandidaten verleihen. Clintons Edelgeldgeber stören da nur.

Drittens: Hillary Clinton und ihr Mann Bill, mit dem sich Obama inzwischen ausgesprochen hat , sind gute Wahlkämpfer. In bestimmten Gegenden der USA werden sie einen wichtigen Beitrag dazu leisten, Arbeiter, Kleinstädter und Senioren von Obama zu überzeugen. Insgesamt möchte Barack aber ein neuer, anderer Kandidat sein, der gegen den Status Quo in Washington kämpft. Für diesen Status Quo stehen die Clintons jedoch wie kaum eine andere Politikerfamilie. Sie wecken Erinnerungen an eine Zeit der politischen Grabenkämpfe und Skandale, die Obama weit hinter sich lassen möchte.

Mein Rat an Obama: Mach Dein (eigenes) Ding!

June 26, 2008

Irak und Obama

Barack Obama hat seinen Vorwahlsieg auch dem Thema Irak zu verdanken. Im Wahlkampf betonte er stets seine Opposition gegen den Krieg, vor dem er schon 2002 in seiner Chicagoer Rede gewarnt hatte. Das machte ihn beliebt bei der demokratischen Basis, bei progressiven Interessengruppen und Bloggern. Es gab ihm die Möglichkeit, sich substantiell von Hillary Clinton abzusetzen, die sich für ihre Zustimmung zur Irak-Resolution nicht entschuldigen wollte.

In der letzten Woche kam das Thema Irak wieder medial auf die Agenda. Die New York Times berichtete von „Big Gains for Iraq´s Security“, der Economist titelte “Is it turning a corner?” Die Sicherheitslage im Irak hat sich seit der neuen Strategie der amerikanischen Zusammenarbeit mit sunnitischen Stammesführern (Sunny Awakening) deutlich verbessert. Die steigenden Ölpreise füllen die Kassen des Staates, auch politische Kompromisse über die föderale Ordnung, über die Finanzverfassung und das neue Rentensystem rücken näher. Natürlich ist die Lage weiterhin äußerst instabil. Es gibt immer noch verheerende Anschläge, Al-Qaida ist in einigen Provinzen wie Diyala nordöstlich von Bagdad weiterhin stark, die Armee des schiitischen Predigers Muktada Al Sadr kann jederzeit den Aufstand gegen das Regime in Bagdad proben.

Generell scheint sich die Lage aber zu beruhigen. Die Frage kommt auf: Schadet dieser Erfolg Barack Obama, der einen schnellen Truppenabzug möchte? Gibt er McCain die Chance, sich als vorausschauender und erfahrener Außenpolitiker zu präsentieren, dessen Durchhalteparolen im Irak sich nun auszahlen? Chris Cillizza von The Fix hat sich dem Thema angenommen und dazu eine Umfrage unter demokratischen und republikanischen Politikberatern gestartet.

Das Ergebnis ist eindeutig: Obama kann von der Situation im Irak nur profitieren. Aus zwei Gründen: Zum einen haben die US-Bürger ihr Urteil über den Irakfeldzug bereits gefällt. Unabhängig von der dortigen Sicherheitslage geben heute konstant über 60 Prozent an, dass es sich nicht gelohnt hat, diesen Krieg zu kämpfen. Die Mehrheit ist für einen Truppenabzug. Zum anderen hat die Entspannung im Irak zur Folge, dass sich die Agenda noch stärker als bisher auf innenpolitische Themen, sprich: Wirtschaft und Arbeit, konzentriert. Ein großes Problem für einen National-Security-Kandidaten wie John McCain.