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November 03, 2008

Schlussspurt in Virginia

Von Maik Bohne

 

Die letzten 48 Stunden dieses Wahlkampfes wollen richtig genutzt sein. Deshalb geht es ab in den Flieger, um diese historische Wahl vor Ort in Washington, DC live und in Farbe mitzuerleben.

 

Amerika ist im Wahlfieber, das merkt man sofort. Kein anderes Thema scheint die Menschen hier stärker zu bewegen. Im Frühstücksfernsehen wird sogar offen über Entzugserscheinungen nach dem Ende der 20-monatigen Wahlperiode gesprochen. Manch einer der politischen Junkies fürchtet sich hier bereits vor dem Cold Turkey nach dem 4. November.

 

Verrueckt. Selbst die Finanz- und Wirtschaftskrise gerät für einige kurze Momente in Vergessenheit. Im Fernsehen laufen die Spots rauf und runter. Obama dominiert hier im Norden von Virginia die Werbephasen, teilweise mit zweiminütigen Mega-Beiträgen.

 

Aber auch John McCain und das Republican National Committee sind “on air”, zumeist mit Negativinformationen über ihren demokratischen Gegenkandidaten. Massive Zweifel werden an Obamas Mainstream-Image und an seiner Eignung als Commander-in-Chief gehegt und gepflegt.

 

Mit diesem medialen Hintergrundrauschen im Kopf geht es in den elektoralen Nahkampf. Hausbesuche, das sog. door-to-door canvassing, steht für uns auf dem Programm. Als Deutscher hat man die üblichen Zweifel: “Man kann da doch nicht einfach vorbeigehen und mitmachen, so kurz vor der Wahl!”

Aber genau das geht. Wir melden uns kurz beim Freiwilligen-Koordinator in der Obama-Zentrale an und eine halbe Stunde später sind wir bereits mit einer ausgedruckten Google-Strassenkarte auf dem Weg durch einen gepflegten Vorort im Norden von Virginia, einem der wichtigsten Schlüsselstaaten dieser Wahl.

 

Das Canvassing ist beschwerlich. Cindy hatte bereits drei Besuche in den letzten vier Tagen und offensichtlich keine Lust mehr, mit uns zu sprechen. Pete ist nicht zu Hause. Er bekommt einen Anhänger an seine Türklinke, der ihn daran erinnert, am Dienstag die Herren Obama und Biden zu wählen.

 

OosVA

 

Anders sieht es bei Steve aus. Er schaut gerade College-Football, aber hat fünf Minuten Zeit, um mit uns über seine elektorale Zerrissenheit zu sprechen. McCain hält er für einen amerikanischen Helden. Er steht dem alten Kriegsveteranen kulturell deutlich näher als Obama, das spürt man. Andererseits ist da jedoch die Wirtschaftskrise, sein unsicherer Rentenfonds und das Schlamassel im Irak.

 

Steve mag uns, wir verstehen uns auf Anhieb. Hier die deutschen Volunteers, dort der amerikanische Trucker, der hin- und hergerissen ist zwischen konservativem Wertemuster und linkem Sozialstaatsdenken.

Am Ende des Gesprächs kreuzen wir hinter Steves Namen eine „2“ an. Er neigt zu Obama. Das ist ein Erfolg. So geht es den ganzen Nachmittag weiter, von Haus zu Haus, von Wähler zu Wähler. Jede Stimme zählt, gerade hier im Old Dominion, das auf dem Weg ist, nach 44 Jahren wieder an die Demokraten zu gehen.

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