Am Wochenende nach den Präsidentschaftswahlen treffen sich
die Berater der Kampagnen traditionell auf der Konferenz der International
Association of Political Consultants (IAPC)
in Washington, DC, um erste Gedanken über den abgelaufenen Wahlkampf
auszutauschen. Auch in diesem Jahr fand die Tagung statt und bot interessante
Einblicke in Strategie und Taktik von Barack Obama, John McCain und Hillary
Clinton.
Für die Obama-Kampagne sprach Medienberaterin Anita Dunn.
Sie hob noch einmal die transformative Kraft einer neuen Wahlkampfphilosophie
hervor, die Kampagnen nicht mehr als Top-Down-Strategie, sondern als
Bottom-Up-Prozess begreift.
Dunn nannte drei wesentliche Erfolgskriterien für Obamas
Sieg. Erstens war seine Botschaft. organisch mit dem Kandidaten und seiner
Lebensgeschichte verwoben. Obamas Talent, „on message“ zu bleiben, beeindruckte
selbst die erfahrene Medienberaterin. Sie erklärte sich diese Fähigkeit mit
einer simplen Tatsache. Im Gegensatz zu vielen anderen Kandidaten, wusste
Barack Obama von Beginn seiner Kampagne an, was er sagen und warum er es sagen
wollte.
Ein zweiter wichtiger Erfolgsfaktor war Obamas gute
Kampagnenorganisation. Die Zahl der Freiwilligen schätzte Dunn insgesamt auf
ca. 10 Millionen. Allein am letzten Wochenende vor der Wahl konnten die
Freiwilligenzahlen noch einmal um 30 Prozent gesteigert werden. In den
Schlüsselstaaten machten Volunteers am Samstag und Sonntag vor der Wahl 9 Mio.
Hausbesuche. Allein in Pennsylvania fanden über 800.000 Live-Telefon-Anrufe
statt.
Als dritten wichtigen Punkt machte Dunn Obamas Gespür für
die richtige Strategie aus. Der sonst so analytische Obama entschied sich
instinktiv dafür, eine konsequente Kleinspenderstrategie zu verfolgen, den
gesamten Fokus auf die Vorwahlen in Iowa zu setzen und die Kontroverse um
seinen umstrittenen Pastor Jeremiah Wright mit einer eloquenten Rede frontal
anzugehen.
Insgesamt beschrieb Dunn Obama als einen transzendentalen
Kandidaten, der weit über die rationale Sachebene hinaus denkt und einen
höheren, ganzheitlicheren Anspruch an Politik hat.
Diese Aussage teilte Bill McInturf, der langjährige Meinungsforscher
von John McCain. Immer noch sichtlich frustriert über die Wahlniederlage räumte
er zwar eigene Fehler ein, verwies aber auf die düsteren Makrotrends
(Wirtschaftslage, politische Stimmung im Land, Zustimmungsraten für den amtierenden
Präsidenten), vor deren Hintergrund diese Wahl stattfand. Kein republikanischer
Kandidat hätte gegen diese Trends bestehen können, so McInturf.
Mit dieser Aussage hatte er sicher Recht. Fragen nach der
unglücklichen Vizepräsidentschaftskandidatenwahl von Sarah Palin oder die
aufgesetzte „Joe, the Plumber“-Kampagne wehrte er allerdings ab. All das sei
nicht entscheidend gewesen. Zentral für den Wahlkampf war für ihn die
Finanzkrise, die das Rennen zugunsten von Obama verschoben habe.
Als weiterer Wahlverlierer war Hillary Clintons Chefstratege
Mark Penn geladen. Der CEO der weltweit agierenden PR-Firma Burson-Marsteller ging
in seiner Rede kaum auf den Vorwahlkampf ein. Er betonte hingegen die
historische Bedeutung der Präsidentschaftswahl für die Demokraten. Erstmals
seit den 1990er Jahren sei eine Mehrheit links der Mitte in den USA möglich.
Darauf deuteten die Wahlergebnisse hin. Die Demokraten seien zur Partei der
Zukunft (und der Hoffnung) geworden, die Minoritäten, Jungwähler und nahezu alle
Einkommensschichten gewinnen konnte.
Am Ende waren ihm jedoch auch kritische Töne zu Hillary
Clintons Kampagne zu entlocken. Penn gab offen zu, dass die Planung über den
Super Tuesday hinaus besser hätte sein können. Falls er jetzt noch einmal gegen
Barack Obama antreten könnte, würde er Jungwähler aggressiver umwerben,
deutlichere Kontraste zu Obama zeichnen und intensiver um die verlorenen
Delegiertenstimmen in Michigan und Florida kämpfen, so der Meinungsforscher.
Das Wichtigste sei jedoch, dass die Demokratie in den USA
gesund und munter sei. Politische Partizipation sei zu einem echten Massentrend
geworden. Dunn und McInturf stimmten – ganz im Sinne der von Obama geforderten
Überparteilichkeit - kopfnickend zu.
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