Von Maik Bohne
Für Politikwissenschaftler ist diese Nachwahlphase ein Fest. Seit Jahren sind sie auf der Suche nach einer neuen realignment election, also einer Epoche machenden Wahl, bei der sich Wählerblöcke verschieben und sich die Machttektonik zwischen den Parteien ändert. Es zu früh, diese Präsidentschaftswahl in eine solche Kategorie einzuordnen. Die ersten Daten aus den Nachwahlbefragungen verraten aber sehr interessante Trends.
Insgesamt hat Barack Obama seinen Sieg einer sehr bunten, zukunftsfähigen Koalition von Wählern zu verdanken. Beginnen wir der Jugend. Selten gab es eine solch eklatante Spanne zwischen den Kandidaten im Segment der Jungwähler. Obama gewann die Gruppe der 18-bis 29-jährigen mit 34 Prozentpunkten (!) Vorsprung. Insgesamt wählten 11 Prozent des Elektorats zum ersten Mal. Diese Wähler waren mehrheitlich jung und farbig, sie gingen klar an Obama. Interessant auch die Werte bei jungen Latinos, von denen 76 Prozent den Demokraten wählten.
Auch wenn die Mehrheit der weißen Wähler für John McCain stimmte (43%-55%), so konnte Obama diesen Nachteil mit einem Zuwachs an minoritären Wählern wettmachen. Waren 90 Prozent der McCain-Wähler weiß, so hatte Obama eine buntere Zusammensetzung von Unterstützern. 61 Prozent seiner Wähler waren weiß, 23 Prozent schwarz, 11 Prozent Latino und 2 Prozent Asiaten. Insgesamt stimmten 95 Prozent der Afro-Amerikaner für ihn. Das ist ein Zuwachs von 7% gegenüber John Kerry in 2004. Bei Asian Americans hatte Obama einen Vorsprung von knapp 30 Prozent.
Bedeutender ist jedoch der Stimmungswechsel bei den Latinos. Hatte George W. Bush es vor vier Jahren noch geschafft, viele (kulturell konservative) Hispanics mit einem ausgeprägten Wertewahlkampf ins Lager der Republikaner zu ziehen, so wanderten 2008 viele dieser Wähler zu den Demokraten. Obama konnte bei dieser überproportional wachsenden Bevölkerungsgruppe 23 Prozentpunkte gut machen. Sie bescherte ihm u.a. Siege in New Mexico und Colorado.
Wichtiger Bestandteil der obamaschen Wählerkoalition waren zudem die affluenten, weißen, gebildeten Wähler in den Vororten der größeren Städte. Obama nahm vieler dieser Bastionen des moderaten Konservatismus ein, egal ob im Norden Virginias oder im reichen Orange County in Kalifornien. Obwohl Obama im Wahlkampf offen zugab, Umverteilungspolitik betreiben zu wollen, holte er massiv bei Gutverdienern auf, die über 100.000 Dollar Jahreseinkommen haben (+8%). Diese Gruppe hatte George W. Bush 2004 noch klar für sich entschieden.
Dem Schluss kann ich mehr als nur zustimmen: Obama ist der Mann, der das Netz und die Jugendlichen endlich mal in die Politik einbezogen hat - nicht nur meiner ganz persönlichen Meinung nach war das auch der Knackpunkt für seinen Sieg: http://news.de.msn.com/politik/article.aspx?cp-documentid=10584346
Posted by: Marc Hesse | November 13, 2008 at 12:06 PM