Sarah Palin holte am Wochenende den Negativ-Hammer raus.
Stellvertretend für John McCain machte sie ihrer selbst gewählten Bezeichnung
des Pitbulls alle Ehre. Offen brachte sie Barack Obama mit dem Chicagoer Pädagogik-Professor
Bill Ayers in Verbindung, der in den 1960er und 1970er Jahren mit der
terroristischen Gruppierung Weather
Underground Anschläge auf Regierungsgebäude – u.a. auf das Pentagon -
geplant und ausgeführt hatte. Palin stellte Obamas patriotische und politische
Gesinnung offen in Frage, indem sie erklärte: „[Mr. Obama] is someone who sees
America as imperfect enough to work with a terrorist.“
Die Obama-Kampagne wusste von Beginn der Kampagne an, dass
Ayers ein Thema im Wahlkampf werden würde. Hillary Clinton hatte die Geschichte
dann auch auf dem Höhepunkt des Vorwahlkampfes ausgepackt, als sie Obama
während einer TV-Debatte offen für seine angebliche Verbindung zu Ayers kritisiert
hatte. Dass sich die Republikaner dem Professor aus Chicago annehmen würden,
war also keine Überraschung.
Ein Artikel in der New York Times brachte das delikate Thema jetzt wieder auf die Tagesordnung. Nüchtern wird in
diesem Beitrag über Ayers und Obama berichtet. Ayers organisierte Mitte der
1990er Jahre kleine Events für den jungen Politiker, der um ein Landtagsmandat
in Illinois kämpfte. Ayers spendete Geld an den Demokraten. Beide hatten zudem miteinander
in verschiedenen Stiftungen zu tun. Ein Buch des Uni-Professors über
Schulreformen fand das ausdrückliche Lob Obamas, der sich aber generell von den
Ansichten und Taten des Altlinken klar distanzierte.
Dass McCain schon jetzt, einen Monat vor Wahl, mit dieser
Geschichte an die Öffentlichkeit geht, ist bemerkenswert. Es zeigt, wie
verzweifelt McCain um eine Wende im Rennen mit Obama kämpft. Die
Wirtschaftskrise hat den Wahlkampf zugunsten der Demokraten gedreht. Nun
versucht McCain ihn wieder zu einer Charakterfrage zu machen, indem er Zweifel
an der Person Obamas streuen, ihn als zu weit links und zu radikal für Amerikas
Mitte darstellen will.
Barack Obamas Rapid-Response-Team reagierte sofort auf die harschen Anschuldigungen. Umgehend griff der Senator die „Schmutzkampagne“ John McCains mit den
Worten an: „They'd rather try to tear our campaign down than lift this country
up.“ Oben drauf setzte Obama eigene Attacken gegen McCain. Dessen unrühmliche
Rolle im letzten großen Bankenskandal Anfang der 1990er Jahre beleuchtet er in
einer fast 15-minütigen Dokumentation auf www.keatingeconomics.com.
Der Hintergrund:
John McCain hatte sich damals für den befreundeten Geschäftsmann Charles
Keating eingesetzt, der mit seiner Lincoln Savings and Loan Association (LSLA)
staatlich verbürgtes Geld im Wert von 3,4 Milliarden Dollar mit riskanten
Immobiliendeals verbrannte. McCain half damals als Teil einer Gruppe von
Kongressabgeordneten („Keating Five“), die Kontrolleure der bundesstaatlichen Regulierungsbehörden
zu beschwichtigen und zurückzuhalten.
Der Wind wird rauer im Wahlkampf. John McCain wird sich
nicht kampflos ergeben. Das ist sicher.
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