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October 10, 2008

Obama attackiert

Sarah Palin holte am Wochenende den Negativ-Hammer raus. Stellvertretend für John McCain machte sie ihrer selbst gewählten Bezeichnung des Pitbulls alle Ehre. Offen brachte sie Barack Obama mit dem Chicagoer Pädagogik-Professor Bill Ayers in Verbindung, der in den 1960er und 1970er Jahren mit der terroristischen Gruppierung Weather Underground Anschläge auf Regierungsgebäude – u.a. auf das Pentagon - geplant und ausgeführt hatte. Palin stellte Obamas patriotische und politische Gesinnung offen in Frage, indem sie erklärte: „[Mr. Obama] is someone who sees America as imperfect enough to work with a terrorist.


Die Obama-Kampagne wusste von Beginn der Kampagne an, dass Ayers ein Thema im Wahlkampf werden würde. Hillary Clinton hatte die Geschichte dann auch auf dem Höhepunkt des Vorwahlkampfes ausgepackt, als sie Obama während einer TV-Debatte offen für seine angebliche Verbindung zu Ayers kritisiert hatte. Dass sich die Republikaner dem Professor aus Chicago annehmen würden, war also keine Überraschung.

Ein Artikel in der New York Times brachte das delikate Thema jetzt wieder auf die Tagesordnung. Nüchtern wird in diesem Beitrag über Ayers und Obama berichtet. Ayers organisierte Mitte der 1990er Jahre kleine Events für den jungen Politiker, der um ein Landtagsmandat in Illinois kämpfte. Ayers spendete Geld an den Demokraten. Beide hatten zudem miteinander in verschiedenen Stiftungen zu tun. Ein Buch des Uni-Professors über Schulreformen fand das ausdrückliche Lob Obamas, der sich aber generell von den Ansichten und Taten des Altlinken klar distanzierte.

Dass McCain schon jetzt, einen Monat vor Wahl, mit dieser Geschichte an die Öffentlichkeit geht, ist bemerkenswert. Es zeigt, wie verzweifelt McCain um eine Wende im Rennen mit Obama kämpft. Die Wirtschaftskrise hat den Wahlkampf zugunsten der Demokraten gedreht. Nun versucht McCain ihn wieder zu einer Charakterfrage zu machen, indem er Zweifel an der Person Obamas streuen, ihn als zu weit links und zu radikal für Amerikas Mitte darstellen will.

Barack Obamas Rapid-Response-Team reagierte sofort auf die harschen Anschuldigungen. Umgehend griff der Senator die „Schmutzkampagne“ John McCains mit den Worten an: „They'd rather try to tear our campaign down than lift this country up.“ Oben drauf setzte Obama eigene Attacken gegen McCain. Dessen unrühmliche Rolle im letzten großen Bankenskandal Anfang der 1990er Jahre beleuchtet er in einer fast 15-minütigen Dokumentation auf www.keatingeconomics.com.

Der Hintergrund: John McCain hatte sich damals für den befreundeten Geschäftsmann Charles Keating eingesetzt, der mit seiner Lincoln Savings and Loan Association (LSLA) staatlich verbürgtes Geld im Wert von 3,4 Milliarden Dollar mit riskanten Immobiliendeals verbrannte. McCain half damals als Teil einer Gruppe von Kongressabgeordneten („Keating Five“), die Kontrolleure der bundesstaatlichen Regulierungsbehörden zu beschwichtigen und zurückzuhalten.

Der Wind wird rauer im Wahlkampf. John McCain wird sich nicht kampflos ergeben. Das ist sicher.

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