In dieser Woche gibt es ungefilterte Einblicke aus den
Vereinigten Staaten, direkt aus Washington DC. Frisch angekommen in der
Hauptstadt, auf dem Weg zur National Mall, begegnete ich gleich dem ersten
Obama-Volunteer. Eine Mutter lief mit ihren kleinen Kids von Haus zu Haus, um
Plakate und Sticker zu verteilen. Freundlicherweise hatte sie mich schnell in
ihr Herz geschlossen und drückte mir mit einem freundlichen „Take it with you
to Germany, honey!“ ein blaues Obama-Poster in die Hand. In der Tat ist Obama
allgegenwärtig in dieser Stadt, auf Plakaten, auf Autos und Motorrollern. Von
John McCain war bisher wenig zu sehen, das mag aber noch kommen.
Am Wochenende standen Polit-Talkshows auf dem Programm. Das
übliche Geplänkel in der Zeit zwischen dem Ende der Vorwahlen und den
Nominierungsparteitagen. Einziges Highlight war der Auftritt von Bob Barr, dem Kandidaten
der Libertarian Party. Sein Credo: „Kill the Nanny State!“ Barr will den Staat
weitgehend abschaffen. Egal ob Sozialhilfe, Steuern oder Drogenkontrolle, die
Libertären hassen die angebliche Allmacht Washingtons.
In den Medien bestimmen aber die Themen Energie und
Wirtschaft die Agenda. Kaum eine Fernsehsendung ohne Tipps zum Energiesparen.
Die Amerikaner wachen auf. Der Markt regelt die Preise, die Preise regeln das
Verhalten. So läuft es nun einmal hier. Die Folge: Toyota Prius und
doppelglasige Fenster stehen hoch im Kurs. Das Thema Wirtschaftsflaute treibt
die Menschen um. Selten habe ich Amerikaner mit so viel Angst vor der Zukunft
getroffen wie in diesen Tagen. Eine kleine Revolution in einem
zweckoptimistischen Land.
Auch die Kandidaten haben die Zeichen der Zeit erkannt.
Gleich zwei neue Spots behandeln die oben genannten Themen. John McCain bekommt
Unterstützung vom Republican National Committee, das McCains Energiepolitik als
innovativ preist und Obama als durchschnittlichen Normalpolitiker ohne neue
Lösungsansätze konstruiert. Man merkt: Es geht darum, wer sich den Mantel des effektivsten
und glaubwürdigsten Reformers in einem Jahr des politischen Wandels
überstreifen kann.
Barack Obama schickt dagegen einen sog. „bio ad“ über den
Äther. In seinem neuesten Spot webt er seine Lebensgeschichte (v.a. seine Zeit als
Sozialarbeiter in Chicago) geschickt in die Sorgen und Nöte der Menschen in
Zeiten der aktuellen Wirtschaftskrise ein. Wieder einmal ein grandioser Spot
vom Team Obama, der seine Positionen geschickt austrahiert zwischen
ökonomischem Populismus und förderndem Sozialstaat.
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