Mach Dein Ding!
Es war eine schöne Veranstaltung in Unity, New Hampshire. Beide Kandidaten feierten ihre Einheit (und sich selbst). Obamas Schlips passte zu Clintons Hosenanzug, beide fielen sich in die Arme und lobten sich bis über den grünen Klee. Alles perfekt.
Beobachter dieser Szene stellten sich natürlich sogleich die Frage, ob die neue Eintracht auch ein Ticket Obama-Clinton zeitigen könnte. Einiges würde für dieses Traum-Duo sprechen. Unter anderem könnte Hillary Clinton die obamafernen Wählerschichten zurück in die Partei bringen und dem Ticket eine deutliche Prise politische Erfahrung beigeben. Mir stellte sich allerdings eine andere, eher ketzerische Frage: Braucht Barack Obama Hillary überhaupt noch?
Erstens: Die demokratischen Hillary-Wähler sammeln sich schon jetzt hinter Obama. Kürzlich fand eine Umfrage von NBC und Wall Street Journal heraus, dass Frauen, die in den Vorwahlen für Clinton gestimmt hatten, Obama klar gegenüber McCain favorisieren (61% zu 19%). Auch Hispanics stehen zu großen Teilen hinter der Kandidatur von Barack Obama, der in dieser Zielgruppe 30 Prozentpunkte vor John McCain liegt . Schaut man ganz allgemein auf die potenziellen Abweichler bei den Demokraten, die ihre Stimme John McCain geben wollen, so liegt diese Zahl unter 10%. Ein normaler Wert. Man sieht, dass die Partei sich schneller hinter ihrem Kandidaten vereinigt hat als angenommen. Sicher ist der harte Vorwahlkampf bei vielen nicht vergessen. Die Erinnerung an diese Zeit wird aber verblassen, sobald die inhaltlichen Gegensätze zu McCain deutlicher werden.
Zweitens: Obama ist finanziell autark. Zwar traf er sich erst kürzlich mit den Top-Fundraisern der Clinton-Kampagne in Washington, DC. Dies war aber eher dem Anstand gegenüber Hillary gezollt und deutete weniger auf den Bedarf an einer kräftigen Geldspritze hin. Obama hat ein unglaubliches Netzwerk von über 1,5 Millionen Kleinspendern aufgebaut. Diese grasverwurzelte Geldmaschine wird ihn mit genügend finanziellen Ressourcen bis zum Wahltag am 4. November versorgen und ihm das Image des volksfinanzierten Kandidaten verleihen. Clintons Edelgeldgeber stören da nur.
Drittens: Hillary Clinton und ihr Mann Bill, mit dem sich Obama inzwischen ausgesprochen hat , sind gute Wahlkämpfer. In bestimmten Gegenden der USA werden sie einen wichtigen Beitrag dazu leisten, Arbeiter, Kleinstädter und Senioren von Obama zu überzeugen. Insgesamt möchte Barack aber ein neuer, anderer Kandidat sein, der gegen den Status Quo in Washington kämpft. Für diesen Status Quo stehen die Clintons jedoch wie kaum eine andere Politikerfamilie. Sie wecken Erinnerungen an eine Zeit der politischen Grabenkämpfe und Skandale, die Obama weit hinter sich lassen möchte.
Mein Rat an Obama: Mach Dein (eigenes) Ding!
Ja, BO braucht HRC - weil jedes kleine Zeichen für Unstimmigkeiten zwischen jetzt und November von den Medien biszumgehtnichtmehr breitgetreten würde. 100% Zustimmung der Demokraten zu Obama ist nicht halb so verkaufswirksam wie ein kritischer Kommentar von einem der Clintons.
Posted by: Felix | July 03, 2008 at 12:43 PM