Von Jan M. Kotowski
Heute ist es also soweit. Nach dem hochdramatischen Superbowl jetzt der ultradramatische Super-Duper-Dienstag. Für Fox gehören beide Dinge ohnehin zusammen und wurden folgerichtig in einem gemeinsamen Trailer beworben. Was auf dem Spiel steht und welche grenzdebilen Eigentümlichkeiten (sprich: Traditionen) das amerikanische Vorwahlsystem beinhaltet, hat Maik Bohne ja bereits dankenswerterweise präzise dekodiert. Ein halbes Jahr Kaffeesatzlesen und momentum-change in jede Prärie-Milchkanne hineininterpretieren, nur damit dann ein paar bonzige Super-Delegierte die langweiligste Nase nominieren. Seriously? Da lob’ ich mir doch 5%-Hürden und Überhangsmandate.
Hier nun also das garantiert nicht-repräsentative und hochgradig subjektive last-minute Update zum Super Tuesday. Direkt aus Santa Cruz, California. Wo Ron Paul in der Beliebtheitsskala direkt auf Obama folgt. Dann kommt Kucinich. Blobbs einzigartiges Korrespondentennetz liefert jedenfalls amerikanische Wählerbefindlichkeiten und Verblendungen frei Haus. Schlechter als Gabor Steingarts Berghütten-Journalismus wird’s garantiert nicht werden. Also, wie schaut’s aus im Golden State am Wahltag? Barack hat nach den jüngsten Umfragen die Nase vorn, aber das muss ja bekanntermaßen nichts heißen. Hier nun ein Stimmungsbild die Kandidaten betreffend:
Hillary. Der Hass auf die Frau ist enorm. Man erfährt ihn in belanglosen Unterhaltungen mit eher konservativen Freunden ebenso wie in der Diskussion mit ultralinken Uni-Professoren. Stanley Fish vergleicht das grassierende „Hillary-hating“ sogar mit Antisemitismus. Nur das ersteres salonfähig ist. Wie dem auch sei: Ihre Unterstützer in der Parteihierarchie und das enorme, unsichtbare Fußvolk machen den weiblichen Teil von „Billary“ zum Topfavoriten. Wahrscheinlich wurzelt Misogynie einfach nicht so tief wie Rassismus.
Obama. Der Rattenfänger der Post-W-Depression. Krieg, miese Wirtschaftsdaten, Imageprobleme. Viele Amerikaner haben einfach ein ungutes Gefühl was ihr Land betrifft. Gott sei Dank gibt es mit Barack das ultimative amerikanische Heilmittel: unbegründeter, eschatologischer Optimismus. Can-do Change We Can Believe in…Nun gut, er hat einfach das „certain something“ plus Oprah und halb Hollywood. Ich würd’ ihn auch wählen. Bei dem großen amerikanischen Polit-Theater zählt Bühnenpräsenz mehr als alles andere. Die College-Kids an meiner Uni lieben ihn jedenfalls aufrichtig. Blöd nur, dass die Demoskopen immer noch daran glauben, dass der weiße Durchschnittsamerikaner seine Beteuerung, selbstverständlich auch einen African-American zu wählen, an der Wahlurne auch in die Tat umsetzt.
McCain. Kriegsheld hin oder her, die GOP kann ihn nicht leiden. Anne Coulter, die übergeschnappte Amazone der amerikanischen Rechten, hat ihre Unterstützung für Hillary (!!!) angekündigt falls McCain nominiert werden sollte. Trotzdem gilt: angesichts der schwachen Konkurrenz hat Opa John für heute die besten Karten. Langfristig allerdings könnte seine gewöhnungsbedürftige Gattin zum Problem werden. Er ist nichtsdestotrotz ein guter Typ irgendwie. Hat was vom listigen, störrischen Alten. Bleibt fraglich, ob man ihm wirklich Atomwaffen in die Hand geben will.
Romney. Der Ottmar-Hitzfeld der amerikanischen Politik. Im Wahlkampf bereits jetzt ca. zwölf Jahre gealtert. Im Vergleich zu McCain sieht er natürlich immer noch frisch aus. Keiner mag ihn aufgrund seines flip-flopping – der verlogensten aller politischen Wahlkampkategorien. Als ob Überzeugungen per se löblich wären. Als ob die irgendeiner hätte im politischen Geschäft. Egal, der Wähler mag angeblich Standfestigkeit. Sagt die punditry. Manchmal hat die sogar recht. Meistens aber erst nach der Wahl, wenn soziologische Sandkastenkategorien mit vermeintlichen values und preferences solange durchgemengt werden, bis es für das beschränkte rational choice Hirn Sinn ergibt. Am Ende des Tages: Wirtschaftsexpertise und Privatvermögen reichen nicht aus, um das Image vom wankelmütigen, mormonischen Multimillionär zu korrigieren. Na ja, Kohle verwalten ist ja prinzipiell auch nichts anderes als die Nati zu trainieren.
Huckabee. Hat soeben West Virginia gewonnen. Das ist leider kein gutes Zeichen für ihn. Er ist trotzdem drollig. Sogar witzig. Hilft natürlich alles nix.
Kutte, meine Stimme hast Du!
Posted by: Maik | February 06, 2008 at 11:06 AM
Hehe, ja dieser Steingart ist schon eine Knalltüte!
Posted by: DDH | February 12, 2008 at 05:40 PM